DOWNLOADBEREICH – Materialsammlung zur Bildungsarbeit mit dem Film DER BALKON

Hier finden Sie alle Links zu den Begleitmaterialien, die in der Zusammenstellung
Bildungsarbeit mit dem Film DER BALKON - Überblick über Begleitmaterial für eine Erprobungsphase mit dem Film
genannt werden. Zur besseren Orientierung sind die Links den einzelnen Kapiteln dieser Zusammenstellung zugeordnet. „DOWNLOADBEREICH – Materialsammlung zur Bildungsarbeit mit dem Film DER BALKON“ weiterlesen

Bildungsarbeit mit dem Film DER BALKON

Wehrmachtsverbrechen in Griechenland
Die Vernichtung des Dorfes Lyngiades am 3. Oktober 1943
Dokumentarfilm von Chrysanthos Konstantinidis, 2018

Vom Regisseur für Bildungsarbeit gekürzte Fassung von 43 Minuten
Griechisch mit deutschen Untertiteln

Die Bildungsarbeit findet statt im Rahmen der Kampagne von Respekt für Griechenland: Deutsche Kriegsschuld und Verpflichtungen gegenüber Griechenland

||Alle im Text angegebenen Materialien sind im ||
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Die Aufarbeitung des Nationalsozialismus bedarf einer dringenden thematischen Ergänzung: die Verbrechen der Wehrmacht im besetzten Griechenland von 1941-1944; die Täterschaft vieler Großeltern und Urgroßeltern und die bis heute abgewehrte Verantwortung der Nachkommen. In Schulbüchern oder anderem Unterrichtsmaterial zum 2. Weltkrieg findet man wenig oder nichts über die Okkupation Griechenlands. Dem entspricht eine weitgehende Erinnerungslücke im kollektiven Gedächtnis der deutschen Gesellschaft. Schuld und Verantwortung gegenüber Griechenland wurden länger verdrängt als gegenüber allen anderen von Deutschland okkupierten Ländern.

Als Deutsche schulden wir den Opfern und ihren Nachkommen eine Auseinandersetzung mit den Kriegsverbrechen der Wehrmacht in Griechenland. Eine Bearbeitung der zurückliegenden Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist zugleich eine Antwort auf die gegenwärtig zunehmende Relativierung der Kriegsschuld in Teilen der deutschen Gesellschaft. Eine rechtsextreme Partei sitzt im Deutschen Bundestag und fordert eine „erinnerungspolitische Wende“. Eine ihrer zentralen Aussagen ist, dass man auf die Leistungen der Soldaten im Zweiten Weltkrieg wieder stolz sein müsse.

RfG-Positionspapier_Kriegsschuld_Jan2020
zu „Deutsche Kriegsschuld und Verpflichtungen gegen Griechenland“ – eine Kampagne von Respekt für Griechenland (4 Seiten)

Überblick über Begleitmaterial für eine Erprobungsphase mit dem Film

Zusätzlich zum Film bieten wir Texte, Fotos und Dokumente zu ausgewählten Themenaspekten an. Wir wissen, wie beansprucht Lehrer und Lehrerinnen an Schulen sind und gehen nicht davon aus, dass Pädagogen, die den Film zeigen, sich das ganze bereitgestellten Zusatzmaterial anschauen. Aber wir hoffen, dass sie in den Unterlagen gegebenenfalls Antworten auf Fragen finden, die sie sich selbst stellen oder die von Schülern eingebracht werden. Das Begleitmaterial ist über die untenstehenden Links zu erreichen. Auf Nachfrage schicken wir alle Unterlagen auch in Printform zu.

Angebot an Begleitmaterial für Lehrende und ihre Lerngruppen
1. Zum Massaker von Lyngiades
2. Zur historisch-politischen Einordnung des Films
3. Zur Verwen
dung des Films in der Bildungsarbeit

1. Zum Massaker in Lyngiades

1.1 Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung – am Beispiel des Dorfes Lyngiades

Am 3. Oktober 1943 überfielen ca. 100 deutschen Gebirgsjäger Lyngiades. Sie ermordeten 82 Frauen, Männer, Greise und Kinder, plünderten und setzten alle Häuser bis auf die Kirche und die Schule in Brand. Nur fünf Menschen überlebten am Ort; andere überlebten, weil sie zur Zeit des Massakers nicht im Dorf waren. Die Ermordung unbeteiligter Zivilisten war eine sogenannte Sühnemaßnahme für einen Regimentskommandeur der Gebirgsjäger, Josef Salminger. Er war wenige Tage zuvor durch eine Straßensperre der Partisanen zu Tode gekommen. Das Dorf Lyngiades haben die Nachkommen der Opfer nach und nach aus eigener Kraft wieder aufgebaut. Aufbauhilfe aus Deutschland haben sie zu keiner Zeit erhalten,eben sowenig wie die anderen zerstörten Dörfer. Kein deutscher Soldat wurde für die Verbrechen in Lyngiades bestraft.

„Wen die Deutschen fanden, den haben sie getötet“ . Ulrich Jossner zum Filminhalt (2 Seiten)
Bilder des zerstörten Lyngiades.
Fotos aus der Nachkriegszeit
Karl der „Gute“.
Aus: Christoph U. Schminck-Gustavus, Feuerrauch (8 Seiten)


1.2 Strafverfolgung in der Nachkriegsjustiz – am Beispiel des verantwortlichen Generals für das Massaker in Lyngiades, Hubert Lanz

Befehlshaber der Aktion war der Divisionskommandeur Walter von Stettner, der den Krieg nicht überlebte. Die politische Verantwortung hatte General Hubert Lanz. Dieser befahl eine „schonungslose Vergeltungsaktion“ für den Tod von Josef Salminger durch Partisanen. Zwar gehörte er zu den Verurteilten im „Prozess gegen Generäle in Südosteuropa“ in Nürnberg, wurde aber bereits 1952 begnadigt. Ein späteres Ermittlungsverfahren vor einem deutschen Gericht in München wurde eingestellt.

Das Massaker von Lyngiades in der Nachkriegs-Justiz, Hilde Schramm (2 Seiten)
Brief des ehemaligen Soldaten, Felix Bourier,
an den Bürgermeister von Lyngiades , 1947. Aus: Christoph U. Schminck-Gustavus,Feuerrauch (1 Seite)
2 Fotos von Felix Bourier – als Soldat und als Mönch

1. 3 Zu den Reparationsforderungen aus Griechenland

Die 2019 erneuerte Forderung der griechischen Regierung über bisher verweigerte Reparationen zu verhandeln, wird von der deutschen Regierung strikt abgelehnt. Aber es gibt gute Gründe, diese Thematik mit mehr Verständnis und Entgegenkommen als in der Vergangenheit noch mal aufzugreifen.

 Warum die Reparationsfrage nicht erledigt und nicht abgeschlossen ist, Hilde Schramm (3 Seiten)

 

2 . Zur historisch-politischen Einordnung des Films

2.1 Deutsche Besatzungspolitik gegenüber Griechenland
– und ihre Auswirkungen auf die griechische Nachkriegsgesellschaft


Im Oktober 1940 hatte Italien Griechenland angegriffen, wird aber von der griechischen Armee besiegt .Am 6. April 1941 lässt Nazi-Deutschland die Wehrmacht in Griechenland einmarschieren. Beginn der mörderischen Besatzungszeit. Am 23.4.1941 kapitulieren die griechischen Streitkräfte. Das Land wird in drei Besatzungszonen zwischen Deutschland, Bulgarien und Italien aufgeteilt und von den allen drei Besatzungsmächten ausgebeutet.- am stärksten von Deutschland. Die Besatzungsmächte setzen griechische Regierungen ein, die mit ihnen kollaborierten. Linke und einer nationalistische Partisanengruppen leisten Widerstand. Im September 1943 schließt Italien einen Waffenstillstand mit den Alliierten. Die italienischen Soldaten werden von der deutschen Besatzung entwaffnet. Im Oktober 1944 zieht sich die Wehrmacht aus Griechenland zurück. Ein Bürgerkrieg beginnt.

Deutsche Besatzungspolitik gegenüber Griechenland (1941-1944)
die Spaltung der griechischen Gesellschaft wird verstärkt. Andreas Poltermann (3 Seiten)


2.2 Folgen der Besatzung für Griechenland und seine Bewohner

Das NS-Regime stürzte Griechenland während der Besatzungszeit in eine Hungerkatastrophe. In wenigen Ländern wütete die Wehrmacht und die SS so brutal wie in Griechenland. Im Rahmen von sogenannten Vergeltungsaktionen gegen unschuldige Zivilisten kam es in zu exzessiven Geiselerschießungen, zur Ermordung von Frauen, Kindern und Greisen. Bekannt sind über 1000 Opfergemeinden, die von der Wehrmacht und der SS ganz oder teilweise in Brand gesetzt wurden. Die griechischen Juden wurden deportiert. Beraubung und Zerstörung der Infrastruktur waren so schwer, dass Griechenland sich danach kaum erholen konnte und die Auswirkungen bis heute zu benennen sind.

Plünderung – Ausbeutung – Beraubung. Aus: Mark Mazower, Griechenland unter Hitler; Anna Maria Droumpouki, Raub und Rehabilitation und Karl-Heinz Roth & Hartmut Rübner, Reparationsschuld (3 Seiten)
Hunger in Athen, Winter 1941/42.
Aus: Mark Mazower, a.a.O (2,5 Seiten)
Ursachen der Hungersnot.
Aus: Katerina Kralova, Das Vermächtnis der Besatzung (2 Seiten)
Bilanz der Zerstörung und der Menschenverluste
in Griechenland im Zweiten Weltkrieg. Aus: Dimitrios K. Apstolopoulos, Die griechisch-deutschen Nachkriegsbeziehungen (1 Seite) und Mark Mazower, Griechenland unterm Hakenkreuz (2 Seiten)

 

2.3 Verweigerung und Desertieren von deutschen Soldaten

Es gab deutsche Soldaten, wenn auch nur wenige, die nach Wegen suchten, sich an den Massakern nicht zu beteiligen. Ein Beispiel ist Karl Schumacher in Lyngiades. Andere gingen weiter. Einige unterstützten heimlich den griechischen Widerstand z.B. durch Flugblätter an die deutschen Soldaten, durch Sabotage oder durch die Weitergabe von Informationen über bevorstehende Angriffe oder Massaker der deutschen Besatzer. Andere desertierten, indem sie die zu den Partisanen der linken Gruppierung ELAS überliefen. Die Anzahl der Überläufer wird auf mehrere hundert geschätzt. Bei den insgesamt geringen Zahlen ist der massive Terrors der Wehrmachtsjustiz im Zweiten Weltkrieg gegen Deserteure mitzudenken. Die folgenden Vergleichszahlen zum Ersten und Zweiten Weltkrieg beziehen sich jeweils auf den gesamten Kriegsverlauf in allen okkupierten Ländern sowie in Deutschland: „Zwischen 1914 und 1918 wurden 150 Todesurteile gegen Deserteure gesprochen, von denen 48 vollstreckt wurden. Zwischen 1939 und 1945 wurden dagegen mehrere zehntausend Todesurteile verhängt“ (Gregor Kritidis, Überläufer, S. 199).

Widerstand von Griechen und Deutschen, Hilde Schramm (2 Seiten)
Karl der „Gute“
. Aus: Christoph U. Schminck-Gustavus, Feuerrauch (8 Seiten)
Zwei Unterstützer der Partisanen:
Wolfgang Abendroth und Werner Illmer. Aus: Gregor Kritidis, Überläufer (1 Seite)
Gedenktafel für Greta G. Foto von Werner Sollbach

 

2.4 Die Deportation griechischer Juden

Über 60.000 Juden und Jüdinnen wurden aus Griechenland in die Vernichtungslager nach
Polen deportiert. Die meisten stammten aus Thessaloniki, dem ehemaligen „Jerusalem des Balkans“. Die Hilfsbereitschaft der christlichen Bevölkerung unterschied sich von Ort zu Ort. So gab es in Athen beachtliche Rettungsaktionen, in Thessaloniki nicht. Innerhalb der griechischen
Gesellschaft findet zunehmend eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Teil ihrer eigenen Geschichte statt.

Ausplünderung, Deportation und Ermordung der griechischen Juden während der deutschen Okkupation Griechenlands 1941-1944, Andreas Poltermann (4 Seiten)
Offener Brief des Erzbischof
s Damaskinos von Athen gegen die Deportation der griechischen Juden, 23. März 1943 (3 Seiten). Vorläufig liegt nur eine englische Fassung vor.
Deutsche Entschädigungsleistungen an jüdische Überlebende der Shoah in Griechenland, Andreas Poltermann (3 Seiten)

 

2.5 Die Okkupation Griechenland im europäischen Vergleich

Auch in der Ukraine, in Belarus und in Russland wurden Massaker an der Zivilbevölkerung verübt und Dörfer abgebrannt., sogar weit mehr als in Griechenland. Diese und weitere Länder wurden ebenfalls vom deutschen Staat beraubt. Eine Zuwendung zu Griechenland, die solange unterblieb und nun ansteht, darf nicht den Terror in anderen okkupierten Ländern vergessen. Sie sollte aber fragen, worin unterscheidet sich die deutsche Besatzungspolitik in Griechenlands von der Besatzungspolitik in anderen Ländern? Und was ist das Gemeinsame?

Die Okkupation Griechenlands im Vergleich mit den übrigen besetzten Gebieten Europas. Aus: Karl-Heinz Roth & Harald Rübner, Reparationsschuld (8 Seiten)

 

3. Zur Bildungsarbeit mit dem Film

Erfahrungen mit dem Film Der Balkon in der Bildungsarbeit liegen noch nicht vor.
Vorläufig können wir nur um Rückmeldungen von Lehrer*innen und anderen Pädagogen bitten.
Rückmeldung

Von der explorativen Vorphase erhoffen wir uns Erkentnisse darüber, ob und unter welchen Bedingungen der Film sich für die Bildungsarbeit eignet und über Medienzentren / Landesbildstellen/ Landeszentralen für politische Bildung etc. verbreitet werden sollte.

Zugleich erhoffen wir uns konkrete didaktische Anregungen für Pädagogen und Pädagoginnen, die den Film in der schulischen und außerschulischen Bildung mit Jugendlichen und Erwachsenen anschauen und besprechen wollen.

In der Erprobungsphase ist uns daran gelegen, dass der Film in unterschiedlichen Rahmenvorgaben eingesetzt wird: z.B. in einer Doppelstunde; in Rahmen einer Unterrichtssequenz zu Verbrechen der Wehrmacht; in Projekttagen; in Veranstaltungen in Jugendclubs; in größeren Kinovorführungen; in Volkshochschulen; bei Begegnungen von deutschen und griechischen Jugendlichen. Entsprechend unterschiedlich, aber auch um so anregender, wären die Rückmeldungen.

Mögliche Impulse und Fragen an Jugendliche nach der Vorführung des Films haben wir vorbereitet, hatten dann aber Bedenken, bereits in der sehr offenen Erprobungsphase, solche Vorgaben, wenn auch nur gedacht als Anregungen, zu machen. Auf Nachfrage schicken wir Ihnen aber gerne eine Zusammenstellung von Fragen zu.

Für Mitteilungen und / oder Publikationen über vorliegende Erfahrungen mit Jugendlichen und Erwachsenen in der Bildungsarbeit zu Griechenland im 2. Weltkrieg wären wir dankbar.

Abschließend ein Hinweis: Im September 2020 wird ein Bericht über die Verwendung von Zeitzeugeninterviews an deutschen und griechischen Schulen erscheinen. Es handelt sich um ein Projekt der Freien Universität Berlin zusammen mit der Nationalen Kapodistrias Universität Athen mit dem Titel „Memories of the occupation in Greece / Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland.“ Die Interviews (und demnächst auch der abschließende Projektbericht) sind online abrufbar. www.occupation-memories.org/de