Im August 2025 in Kommeno

Ein Bericht von Golnar Sadeghipour
(Praktikantin der Alice Salomon Hochschule bei RfG in Athen vom März bis August 2025)

Der August ist eine besondere Zeit in Kommeno. Mehr Menschen als erwartet füllen das Dorf, wenn Verwandte aus der Ferne zurückkehren, um ihre Familien zu besuchen. Kinder laufen über den Dorfplatz, spielen und lachen, während die Erwachsenen bis spät in die Nacht zusammensitzen, essen, trinken und reden. Oft erklingt Musik. In den Sommermonaten füllen sich die Dörfer des Epirus mit Leben: Viele entfliehen der Hitze der Städte, Musiker*innen reisen durch die Region, und so entstehen Abende voller Tanz, Gesang und Begegnungen.

Doch der August ist nicht nur ein Monat der Feste, sondern auch des Erinnerns. Wenige Tage vor dem Jahrestag des Massakers von 1943, am 9. August, veranstaltete der Kulturverein ein Gedenkkonzert. Junge Menschen aus Kommeno und den umliegenden Orten hatten sich wochenlang vorbereitet: Sie spielten traditionelle Volkslieder, sangen und traten gemeinsam mit einem Kinderchor auf. Unterstützt wurden sie von Dimitra Vlachou, einem engagierten Mitglied des Kulturvereins, sowie einer Musiklehrerin aus Arta. Für das Konzert schuf Amar Bašić ein Triptychon, das auf der Bühne ausgestellt wurde und den Abend mit visueller Tiefe bereicherte. Das Thema des Werkes ist die Verarbeitung der Geschehnisse in Kommeno am 16. August 1943. Über zwei Stunden erklang Musik, es wurde getanzt und mitgesungen.

Am 15. August, Mariä Himmelfahrt, wurde in der alten Kirche gefeiert, begleitet von traditionellem Gebäck und einem Gefühl von Verbundenheit. Nur einen Tag später, am 16. August, stand Kommeno ganz im Zeichen des Gedenkens. In einem Gottesdienst wurde der Opfer des Massakers gedacht. Zahlreiche Gäste reisten an – auch griechische Ministerinnen und eine Vertreterin Deutschlands waren vor Ort. Nach den Ansprachen, unter anderem vom Dorfpräsidenten, wurden die Namen der 317 Ermordeten einzeln verlesen. Anschließend folgte die Kranzniederlegung: Den Anfang machten zwei Überlebende des Massakers. Danach legten Vertreterinnen der Politik und der Märtyrerdörfer ihre Kränze nieder. Zum Gedenktag stellten wir die Gemälde von Amar Basič aus, ebenso wie ein Kunstprojekt einer Schulgruppe aus Kaiserslautern, welche im Juni 2025 zu Besuch waren und die ihre Eindrücke von Kommeno malerisch festgehalten hatten. Viele Besucher*innen betrachteten die Bilder aufmerksam und machten Fotos.

Unsere Zeit endete mit einem Abendessen bei Dimitra – ein Moment der Wärme und Gemeinschaft nach intensiven Tagen. Kommeno erinnert uns daran, dass Geschichte nicht abgeschlossen ist. Sie lebt fort in den Ort, den Menschen und den Traditionen – und sie fordert uns auf, Verantwortung zu übernehmen.