Ein Bericht von L.R.
Erasmus+ – Praktikum in Kommeno
In den zehn Tagen vom 28.05. bis zum 06.06.2025 durften wir als Gruppe von sieben Schülerinnen des Hohenstaufen-Gymnasiums Kaiserslautern das Märtyrerdorf Kommeno im Rahmen eines Erasmus+ – Praktikums in all seinen bunten Facetten kennenlernen und erleben.
Kommeno ist ein kleines Dorf mit rund 500 Einwohnern, in dem am 16. August 1943 ein Überfall deutscher Soldaten stattgefunden hat, bei dem 317 Bewohner auf brutalste Weise ermordet wurden.
Ziel unseres Projekts war es, Ideen für ein Denkmal als einen Ort des Gedenkens zu sammeln, das an 17 Jugendliche erinnern soll, die damals bei ihrem Fluchtversuch im Fluss Arachtos ertranken. Die öffentliche Präsentation der während des Praktikums entstehenden Entwürfe in Bildern und Modellen sollte diese Ideen veranschaulichen.
Unsere Anreise dauerte einen ganzen Tag, der für uns um sieben Uhr morgens auf dem Parkplatz unseres Gymnasiums in Deutschland begann. Vom Frankfurter Flughafen flogen wir erst nach Athen und dann weiter nach Ioannina, von wo aus wir noch circa eine Stunde mit dem Shuttlebus nach Kommeno fuhren.
Schon am ersten Abend, als Amar Bašić von Respekt für Griechenland e.V. uns mit Wasser, hausgemachter Suppe und frischen Orangen empfing, wurden wir uns der Gastfreundschaft bewusst, die uns in den nächsten Tagen noch weiter begegnen sollte. Diese Gastfreundschaft zeigte sich im gesamten Dorf. Die Leute sprachen uns auf der Straße an, luden uns zum Ernten ihrer Obstbäume in ihre Gärten ein, beschenkten uns und begrüßten uns überall mit einem freundlichen Lächeln.
Zum Frühstück und Abendessen gab es traditionelles griechisches Essen, das für uns in den lokalen Tavernen zubereitet wurde. Hierbei war die Stimmung auf dem Dorfplatz immer lebendig und voller Freude. Am Anfang fiel es uns aus diesem Grund schwer, diesen wunderschönen Ort in Einklang mit der tragischen Geschichte zu bringen, die hier vor rund 80 Jahren stattgefunden hatte.
Ein Audiowalk half uns dabei, uns die schrecklichen Geschehnisse nochmals vor Augen zu führen und uns an den eigentlichen Grund unseres Besuchs – dem Planen eines Denkmals für 17 Jugendliche, die bei der Flucht vor deutschen Soldaten im Fluss ertranken – zu erinnern. Am Anfang hatten wir viele Probleme damit, unsere Eindrücke alle zu verarbeiten und kreativ zu veranschaulichen.
Zum einen war es uns wichtig, ein solch sensibles Thema mit Respekt zu behandeln und gleichzeitig eine gute Idee zu entwickeln, die all unsere Gedanken in einem Denkmal vereinen sollte. Es dauerte einige Tage, in denen wir viel zeichneten, malten, Ausflüge mit dem Fahrrad machten und besonders den Ort des Geschehens, den Fluss, oft besuchten und nach und nach gelang es uns, erste Ideen auf das Papier zu bringen.
Wir fuhren auch in die nahe gelegene Kreisstadt Arta, was für uns alle sehr inspirierend war und wieder einmal zeigte, an wie vielen Stellen in Griechenland alte Geschichte mit Neuem verschmilzt. Die größte Inspiration war für uns alle jedoch der Fluss selbst, den wir als wunderschönen, ruhigen Ort wahrnahmen und der uns bei unserem Prozess stark beeinflusste. Dabei arbeiteten wir an individuellen Projekten, sodass wir am Ende der zehn Tage mit sieben unterschiedlichen Entwürfen eines Denkmals das Projekt abschließen konnten.
Vollendet wurde unsere Reise mit einer Ausstellung auf dem Dorfplatz, bei der wir all unsere Skizzen, Entwürfe und Modelle präsentierten. Die Reaktionen der Dorfbewohner berührten uns dabei sehr, vor allem weil diese ihre Dankbarkeit für unser Projekt mehrmals zum Ausdruck brachten.
Die Fahrt nach Kommeno war eine Erfahrung, die uns viel über Respekt, Gastfreundschaft und der Verarbeitung von generationenübergreifendem Trauma lehrte und uns aus diesem Grund noch lange als etwas ganz Besonderes in Erinnerung bleiben wird.