‚Alkyone Refugee Daycenter‘ in Saloniki

Das Tageszentrum „Alkyone Refugee Daycenter“  in Thessaloniki ist Anlaufstelle und Ort der Erstbetreuung von neu ankommenden, obdachlosen Flüchtlingen. Es entstand im Juli 2016 im Rahmen der ökologischen Bewegung. Die Finanzierung wurde überwiegend von der Diakonie Katastrophenhilfe sichergestellt, die sich derzeit immer mehr zurückzieht. Früher haben noch andere Organisationen wie „Save the Children“, „Norwegian Refugee Council“ und „Truck Stop“ vergleichbare Angebote wie Alkyone gemacht. Diese aber inzwischen, bis auf die Griechisch-Evangelische Kirche, eingestellt.

Die Daten des UNHCR zeigen, dass Griechenland das Land mit den meisten neu ankommenden Flüchtlingen ist. Als größte Stadt in Nordgriechenland ist Thessaloniki das erste Ziel für Geflüchtete, die auf dem Landweg über den Fluss Euvros aus der Türkei kommen. Nachdem 2017 die Zahlen der ankommenden Flüchtlinge stetig sanken, steigen sie nun seit mehr als einem Jahr wieder an und werden in 2019 bei circa 13.000 registrierten Flüchtlingen liegen.

Nach offiziellen Angaben gibt es 980 registrierte obdachlose Geflüchtete in Thessaloniki. Und es gibt keinerlei Pläne der Zentral- oder Stadtregierung, die Grundversorgung dieser Menschen (inclusive Wohnung) sicherzustellen. Im Gegenteil, 4000 im Jahr 2018 vom UNHR in Wohnungen untergebrachte Geflüchtete wurden aufgefordert, die Wohnungen zu verlassen um nachfolgenden Geflüchteten Platz zu machen. Auch für diese 4000 Menschen gibt es keinerlei Notversorgung. Die Verzweiflung der Menschen ist groß–und es ist ungewiss, wie sie sich und ihre Kinder über den Winter bringen können.

Die Arbeit von Alkyone

Das Daycenter liegt im Zentrum der Stadt. Im gleichen Haus sind zahlreiche andere Organisationen untergebracht, die Menschen in Not fachlich auf unterschiedlichen Gebieten beraten und das Angebot von Alkyone gut ergänzen. Alkyone ist zertifiziert für seine Angebote und beim Ministerium für Arbeit sowie der Migrationsbehörde registriert.

Der Geschäftsführer von „Alkyone Refugee Daycenter“, Elias Anagnostopoulos, ist hochqualifiziert und genießt über Thessaloniki hinaus großes Ansehen. Er hat 1986 einen Bachelor of Science in Marketing und internationaler Wirtschaft an der University of South Alabama gemacht und dann mehrere Jahre als Berater in Griechenland gearbeitet.

Alle Geflüchteten, die von Alkyone betreut werden, sind obdachlos. Bis August 2019 wurden 14.955 Geflüchtete bei Alkyone registriert. Sie erhielten Essen, Kleidung sowie teilweise Zelte, Schlafsäcke und eine psychosoziale Betreuung.

Das Daycenter bietet die Möglichkeit, sich im Winter in beheizten Räumen aufzuhalten, zu duschen, die Kleidung zu waschen und zwei warme Malzeiten am Tag zu erhalten.

Der Social Service von Alkyone hat 4.300 Menschen individuell sozial und psychologisch betreut, davon 130 unbegleitete minderjährige Geflüchtete. 2644 Personen wurden an andere Organisationen weitervermittelt, die Dienste anbieten, wie juristische Beratung und Gesundheitsdienste sowie Hilfe bei der Wohnungssuche.

Infolge der Kürzungen von finanziellen Mitteln musste die soziale Beratung und Betreuung um ein Drittel reduziert werden. Zwei Sozialarbeiterinnen und eine Krankenschwester wurden entlassen. Aber auch die Ausgabe von Essen und Kleidung musste um 15% reduziert werden, da es nicht mehr genügend Personal gibt.

Da die Flucht über die türkische Grenze in letzter Zeit erheblich zugenommen hat, müssen gegenwärtig ca. 30% der Geflüchteten, die um Hilfe bitten, abgewiesen werden. Auch kann derzeit die kompetente Anleitung und Betreuung der Ehrenamtlichen nicht sichergestellt werden, ohne deren Arbeit das Refugee Daycenter seine Aufgaben nicht vollumfänglich erfüllen kann.

Trotz dieser erschwerten Bedingungen leistet Alkyone eine beachtliche Arbeit. Täglich werden zwei warme Mahlzeiten an 200 bis 240 Personen ausgegeben.