Jahresbilanz 2020 der RfG-Kampagne zu Kriegsschuld und Verpflichtungen

Hilde Schramm

Jahresbilanz 2020 zur Kampagne von RfG „Deutsche Kriegsschuld und Verpflichtungen gegenüber Griechenland“

Berichtet wird über

  • Öffentlichkeitsarbeit und die Bildungsarbeit in Deutschland mit dem Film Der Balkon – Wehrmachtsverbrechen in Griechenland
  • Unterstützung von vier Projekten in Griechenland, in Lyngiades, Kamares, Pente Ekklisies und Kommeno
  • Zuschuss zu drei Vorhaben in Griechenland
  • Finanzierung.

I Arbeit mit „Der Balkon -Wehrmachtsverbrechen in Griechenland“

Ein Film von Chrysanthos Konstantinidis
Die Vernichtung des Dorfes Lyngiades am 3.10.1943

I.1 Öffentlichkeitsarbeit
Vorführungen des Films in: Berlin (3x), Dresden, Halle (Saale), Köln-Deutz, Mainz, Saarbrücken, Heidelberg, Kaiserslautern, Bielefeld, Cuxhaven, Oldenburg. Mit unterschiedlichen Kooperationspartnern vor Ort. Am anschließenden Gespräch war immer eine Vertreterin oder ein Vertreter von RfG beteiligt, meist auch Christoph Schminck-Gustavus, auf dessen Recherchen der Film weitgehend basiert. Weitere Vorführungen waren geplant, konnten aber wegen Corona nicht stattfinden.

Finanzierung: Die Kosten der Veranstaltungen wurden ganz überwiegend von den Kooperationspartnern vor Ort übernommen.
Besucherspenden: Die Teilnehmer an Veranstaltungen mit dem Film Der Balkon wurden gebeten, durch eine Spende zur Einrichtung eines Museums in Lyngiades beizutragen. Die Besucherspenden betrugen (gerundet) 3.000 Euro .

I.2 Bildungsarbeit
Um die Bildungsarbeit mit Der Balkon in Schulen, in Jugendeinrichtungen und der Erwachsenenbildung zu erleichtern, kürzte der Regisseur den Film von 101 Minuten auf 43 Minuten. Eine Untergruppe von Respekt für Griechenland erstellte Begleitmaterial als Angebot Lehrende und Lernende.

Die Erprobungsphase zum Film und zum Begleitmaterial (in vorläufiger Fassung) begann im Herbst 2020 und wird bis Ende 2021 fortgeführt. Kommenden Februar wollen wir einen Zwischenbericht vorlegen, der allerdings wegen der Einschränkungen des Schulbetriebs und der übergroßen Belastung der Lehrkräfte durch Corona nur auf Rückmeldungen aus etwa 15 Schulklassen beruhen wird. Rheinland-Pfalz hat die Lizenzen für die Verbreitung des Film und des Begleitmaterials über Medienzentren und die Landeszentrale für politische Bildung bereits erworben. Entsprechende Vereinbarungen mit anderen Bundesländern sind in Vorbereitung.

Ausgaben für 1.1 und 1.2: Da alle Arbeiten ehrenamtlich ausgeführt wurden, waren die Ausgaben gering. Die angefallenen Kosten für Öffentlichkeitsarbeit und Reisezuschüsse sind unter RfG -Nebenkosten s.u. enthalten.

II Förderung von Projekten im ländlichen Raum, vorrangig in „Opfergemeinden“
Lyngiades: Die Zusage von RfG, die Einrichtung eines Kulturzentrums / Museums in Lyngiades finanziell zu unterstützen, reicht bis Oktober 2019 zurück. Sie konnte wegen diverser Hürden nur schleppend realisiert werden – trotz guter Zusammenarbeit mit dem Kulturverein von Lyngiadas und trotz Unterstützung durch den Bürgermeister der Municipality von Ioannina, in die das Dorf Lyngiades eingemeindet ist. Inzwischen wurde ein allseitiges Einvernehmen über das Prozedere erzielt. Als eine erste Förderstufe hat RfG die technische Ausstattung zur Vorführung von Filmen in Ioannina gekauft. Die benötigten Geräte waren von dem Regisseur des Films Der Balkon fachkundig ausgesucht worden. Sie sind inzwischen als Sachspende „for use in the Cultural Center / Museum in Lygiades only“ von allen beteiligten Personen und Stellen gerne angenommen worden.

Am 3. Oktober 1943 hatten Gebirgsjäger ein Massaker an dreiundachzig Dorfbewohnern, überwiegend an Kindern, Frauen und alten Männer, verübt und das Dorf zerstört.

Kamares: Im Jahr 2020 konnte die Ausstattung der kommunalen Landarztpraxis in Kamares auf dem nördlichen Peleponnes wesentlich verbessert werden. Von dort aus werden 12 Dörfer vom Wasser bis in die Berge medizinisch versorgt. Etliche neue oder gebrauchte medizinische Geräte, darunter ein Sonografiegerät, sowie diverse medizinische Hilfsmittel erleichtern nun die Patientenversorgung. Die energetische und sanitäre Sanierung der Praxisräume ist abgeschlossen. „Zum ersten mal seit vielen Jahren frieren wir nicht mehr in der Praxis“ (aus einer Mail der leitenden Ärztin vom 24.12.2020). Der lokale Verein in Gründung „Freunde der kommunalen Arztpraxis Kamares“ ist zur offiziellen Registrierung eingereicht. In 2021 wird eine Fotovoltaic Anlage auf dem Dach der örtlichen Schule installiert. Der Verkauf der produzierten Energie wird über Jahre den Patienten der Praxis in sozialer und medizinischer Hinsicht zu gute kommen. Es zeichnet sich jetzt bereits ab, dass die Unterstützung RfG nachhaltig über die Praxis hinaus wirken wird. Inzwischen interessieren sich Lehrkräfte und die Leitung der Schule für ein Kooperationsprojekt mit RfG zu umweltverträglicher Energiegewinnung und Klimaschutz.

Die ganze Region zwischen Kalavrita und Patras hatte unter Kriegsverbrechen der deutschen Besatzung zu leiden.

Pente Ekklisies: Das kleine Dorf im Epirus liegt westlich von Ioannina und besitzt landschaftliche und historische Attraktionen. Obwohl die Anzahl der dort ständig Lebenden in den letzten Jahren weiter zurückging, stießen wir auf Energie, Elan und Aufgeschlossenheit bei Dorfbewohnern. Auf deren Wunsch hat RfG 2020 dem dortigen Kulturverein einen Zuschuss zur Umgestaltung der leerstehenden Schule in ein multifunktional nutzbares Gebäude für Wandertouristen aber auch für Begegnungen und Workshops gegeben.

Am 23. August 1944 hatten deutsche Soldaten fünfzehn Dorfbewohner erschossen oder verbrannt.

Kommeno: Aus lockeren Kontakte seit 2016 schälte sich im Jahr 2020 eine Projektidee heraus, die vom örtlichen Kulturverein, dem Dorfvorsteher und weiteren Bürger begrüßt wird. Es handelt sich um eine dezentrale Gestaltung des Erinnern mit Stelen und andere Markierungen, verbunden durch einen „Audio Walk“. Dieser wird eingeleitete durch Informationsgrundlagen einer Open Air Ausstellung, gleich neben einem renovierten, aber leerstehenden, kleinen Empfangsgebäude, das ursprünglich als Museum gedacht war. Die ersten Planungsschritte vor Ort waren fest vereinbart, mussten aber wegen Corona verschoben werden.

Am 16. August 1943 hatten Gebirgsjäger der deutschen Wehrmacht das ganze Dorf zerstört und dreihundert-siebzehn Zivilisten ermordet.

III Weitere Förderung
Buchprojekt zu den Opfergemeinden im Epirus. An Hand von Fallbeispielen ausgewählter Orte wird das Spektrum der Zerstörungen und Kriegsverbrechen während der deutschen Besatzung, aber auch die Entwicklung danach dargestellt. Die Veröffentlichung auf Griechisch erscheint 2021 im Verlag Isnafi von Panos Vadaloukas in Ioannina. Eine teilweise Übersetzung ins Deutsche ist angedacht.

Zuschuss zur Filmproduktion von „The Students of Umberto Primo“. Der Spielfilm setzt ein mit dem Schulalltag im Jahr 1943 von neun jüdischen Schülerinnen und Schülern der italienischen Schule in Thessaloniki und berichtet über ihre Schicksale nach der deutschen Okkupation. Einige der Jugendlichen konnten sich retten, andere wurden in Auschwitz ermordet. Der Film basiert auf Recherchen zu den Biographien sowie auf Dokumenten, die vor kurzem in Thessaloniki gefunden wurden.

Zuschuss zur Übersetzung des Buches von Aris Radiopoulos zu den Reparationsforderungen Griechenlands an Deutschland, erschienen in Athen 2019. Neben einem Sachstandsbericht enthält das Buch zahlreiche, bis lang unveröffentlichte Dokumente aus dem Archiv des griechischen Außenministeriums.

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Finanzierung

Die Förderung der unter II und III aufgeführten Projekte wurde ausschließlich durch Privatpersonen ermöglicht. Wir danken den Spenderinnen und Spendern.

  • Überwiesene Fördermittel im Jahr 2020 (gerundet) 24.000 Euro
  • RfG- Nebenkosten für I, II und III für Drucke, Filmcopien, Übersetzungen, Reisezuschüsse, Büromaterial etc. (gerundet): 1.500 Euro
  • Kontostand 31.12.2020: gerundet 29.500 Euro
  • Zweckgebundene Rückstellungen zur Fortsetzung der geförderten
    Projekte in 2021 (gerundet) 25.000 Euro
  • Zusätzlicher Spendenbedarf im Jahr 2021 (gerundet) 20.000 Euro

Die genannten Projekte beruhen auf der ehrenamtlichen Arbeit von zahlreichen Mitwirkenden bei Respekt für Griechenland.