{"id":4935,"date":"2021-04-21T22:06:19","date_gmt":"2021-04-21T20:06:19","guid":{"rendered":"https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/?p=4935"},"modified":"2021-04-22T14:50:27","modified_gmt":"2021-04-22T12:50:27","slug":"gedenkveranstaltung-kostas-kosmas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/?p=4935","title":{"rendered":"Gedenkveranstaltung vom 06.04.2021: Rede von Kostas Kosmas"},"content":{"rendered":"\n<figure id=\"attachment_4932\" aria-describedby=\"caption-attachment-4932\" style=\"width: 827px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4932 size-full\" src=\"https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/GV-KKosmas-B90Gruene-eh.jpg\" alt=\"\" width=\"827\" height=\"356\" srcset=\"https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/GV-KKosmas-B90Gruene-eh.jpg 827w, https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/GV-KKosmas-B90Gruene-eh-300x129.jpg 300w, https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/GV-KKosmas-B90Gruene-eh-768x331.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4932\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Enno Hurlin; Kostas Kosmas<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Der Kreisvorsitzende von B\u00fcndnis90 \/ Die Gr\u00fcnen Steglitz-Zehlendorf <\/strong><br \/><strong>zum Antrag der Fraktion B\u00fcndnis 90\/ Die Gr\u00fcnen im Deutschen Bundestag <\/strong><br \/><strong>\u201e80 Jahre \u00dcberfall der Wehrmacht auf Griechenland\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Vor etwas mehr als einem Jahr hatte uns die Griechische Gemeinde ihre R\u00e4ume zur Verf\u00fcgung gestellt f\u00fcr eine Veranstaltung \u00fcber die Frage der Kriegsreparationen. Damals waren dabei neben mir, der ich als Vorsitzender der Gr\u00fcnen in Steglitz-Zehlendorf die Veranstaltung mitorganisieren durfte, auch die Bundestagsabgeordnete Lisa Badum und Hilde Schramm von Respekt f\u00fcr Griechenland, die Hauptorganisatorin. Der Dank an die Griechische Gemeinde und an Respekt f\u00fcr Griechenland kann nicht genug sein.<!--more--><br \/><br \/>Der Einmarsch Deutschlands in Griechenland j\u00e4hrt sich heute zum 80. Mal. F\u00fcr drei Jahre versetzten die Wehrmacht, die Gestapo und die SS das Land in Angst und Schrecken, bis sie sich in Oktober 1944 zur\u00fcckgezogen haben.<br \/>Griechenland st\u00fcrzte direkt nach dem 2. Weltkrieg in den B\u00fcrgerkrieg, in die erste Auseinandersetzung des Kalten Krieges. Faschistische Kollaborateure k\u00e4mpften gegen stalinistische Dogmatiker, linke Idealisten aber auch B\u00fcrgerliche wurden aus der Gesellschaft ausgeschlossen, wenn sie nicht umgebracht wurden. Die Auseinandersetzung mit dem B\u00fcrgerkrieg dominierte die Erinnerungskultur Griechenlands, der 2. Weltkrieg wurde zu einer gro\u00dfen Erz\u00e4hlung, zu einem Nationalen Epos gegen Italien und zu einem heldenhaften Widerstand gegen die Deutschen. Ich war selber Kind, als in Filmen die Griechen ausschlie\u00dflich als Opfer oder Helden und die Deutschen schablonenhaft als Biester dargestellt wurden, die \u201eraus\u201c oder \u201ejawohl, Herr Kommandant\u201c br\u00fcllten. Kein Platz f\u00fcr einen genaueren Blick: F\u00fcr die \u201ekleinen Menschen\u201c. Die unbekannten D\u00f6rfer. Die offenen Rechnungen. Die griechischen Juden.<br \/><br \/>Das Adenauer-Deutschland und sp\u00e4ter das des Wirtschaftswunders pflegte wiederum eine Erinnerungskultur des Vergessens. Der Kalte Krieg tat das \u00dcbrige. Es mag sein, dass das erste Goethe-Institut in Athen gegr\u00fcndet wurde, doch in jener Zeit wurden Kriegsverbrecher von der Bundesrepublik frei gekauft, oder sie wurden von Griechenland f\u00fcr ein Paar Wirtschaftsvertr\u00e4ge freigesprochen. das gemeinsame Interesse galt dem gemeinsamen kommunistischen Feind. Erst mit den Auschwitz-Prozessen und dann der 68er-Generation begann die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Dann lag Griechenland jedoch im Gips einer faschistischen Diktatur. Die Mehrheit der Menschen in Deutschland fragt sich heute, warum wir uns mit einer so alten Geschichte besch\u00e4ftigen. Die Antwort liegt in der Geschichte.<br \/>Es hat uns so lang der richtige Zeitpunkt und die Gelegenheit gefehlt, um endlich einen offenen Dialog \u00fcber die Vergangenheit zu f\u00fchren.<br \/><br \/>Ich habe so weit ausgeholt, weil ich genau das zeigen wollte: Es gab sehr wichtige Gr\u00fcnde, warum die Auseinandersetzung mit der Kriegsschuld aus dem 2. Weltkrieg heute gef\u00fchrt wird. Und ich bin als Deutscher und als Grieche dem Verein Respekt f\u00fcr Griechenland sehr dankbar f\u00fcr diese Arbeit, speziell Herbert Nebel, Reiner Schiller-Dickhut und, vor allem, Hilde Schramm.<br \/>Es liegt nicht zuletzt an ihnen, dass meine Partei B90\/Die Gr\u00fcnen Ende M\u00e4rz einen Antrag im Bundestag zur Debatte brachte. An einem Fachgespr\u00e4ch der gr\u00fcnen Bundestagsfraktion ein Jahr davor war der Verein ebenso beteiligt.<br \/>In diesem Antrag wird nun auf politischer Ebene diskutiert, was zuvor in der Wissenschaft festgestellt und vor allem von der Zivilgesellschaft und den einzelnen Menschen empfunden wurde: Griechenland litt besonders an der Grausamkeit der Deutschen. Griechenland wurde besonders wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Griechenland wurde besonders mickrig entsch\u00e4digt beim Pariser Abkommen 1945 und beim Londoner 1952. Zwar forderte das Land auf der diplomatischer Ebene stets sein Recht auf Verhandlung, das war aber, aus den Gr\u00fcnden, die ich am Anfang anriss, untergegangen. Erst die Wiedervereinigung und der 2+4-Vertrag machte das Thema wieder gro\u00df. Und jetzt kommen wir zu einem Gr\u00fcnen Antrag im Deutschen Bundestag, der den Anspruch Griechenlands auf Dialog anspricht.<br \/>Die Debatte um Reparations- und Entsch\u00e4digungszahlungen bleiben kontrovers und aktuell, besonders in Griechenland. Nicht nur Hinterbliebene, Nachfahren und Opfergemeinden, sondern auch allgemein viele junge Menschen haben ein neues Bewusstsein f\u00fcr die ungel\u00f6sten Fragen entwickelt. Ein st\u00e4rkeres Selbstbewusstsein Griechenlands auf der internationalen B\u00fchne und der wachsende Zweifel an der europ\u00e4ischen Solidarit\u00e4t im Zuge der Euro-Krise haben das Thema zeitweise wieder nach ganz oben auf die innenpolitische Agenda gebracht. Diese, wie auch die fr\u00fcheren Bundesregierungen, betrachtet die Frage als politisch und rechtlich abgeschlossen. Doch juristisch ist die Position der Bundesregierung umstritten, wie aus den Berichten der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestags ausgeht.<br \/>Aber auch das erforderliche Ethos f\u00fcr eine europ\u00e4isch orientierte Politik macht das Schweigen Deutschlands, die Verweigerung mit einem gleichberechtigten Griechenland dar\u00fcber zu diskutieren, sehr fragw\u00fcrdig.<br \/>Deswegen ist der Antrag der Gr\u00fcnen, der \u00fcbrigens von allen anderen Parteien bis auf die Linke abgelehnt wurde, sehr wichtig f\u00fcr die Weichenstellung unserer Politik in der kommenden Legislaturperiode. An dieser Stelle m\u00fcssen die Gr\u00fcnen Abgeordneten Claudia Roth, Manuel Sarrazin und Lisa Badum namentlich erw\u00e4hnt werden, die an diesem Antrag gearbeitet haben. Meine Hoffnung ist nun, dass B90\/Die Gr\u00fcnen eine verst\u00e4rkte Position im n\u00e4chsten Bundestag haben werden, das Thema weiterhin unterst\u00fctzen und die Deutsch-Griechische Freundschaft dadurch verfestigen.<\/p>\n<p>Denn die Gr\u00fcnen verfallen nicht in R\u00fcckzahlungspopulismus, sondern fordern die Regierung auf, Griechenland endlich auf Augenh\u00f6he zu sehen, mit der griechischen Regierung zu diskutieren. Wir Gr\u00fcne wollen, dass Themen wie die Zwangsanleihe, Erinnerungsprojekte, individuelle Entsch\u00e4digungen oder die aktive Unterst\u00fctzung der j\u00fcdischen Gemeinden Griechenlands einen neuen, respektvollen Umgang finden! Denn wir setzen auf Dialog und Gleichberechtigung!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[42,53],"tags":[],"class_list":["post-4935","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-deutschekriegsschuld","category-kriegsschuld-oeffentlichkeitsarbeit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4935","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4935"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4935\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4987,"href":"https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4935\/revisions\/4987"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4935"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4935"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4935"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}