{"id":3693,"date":"2020-04-23T13:30:47","date_gmt":"2020-04-23T11:30:47","guid":{"rendered":"http:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/?p=3693"},"modified":"2020-04-24T15:19:37","modified_gmt":"2020-04-24T13:19:37","slug":"niels-kadritzke-warum-griechenland-nicht-italien-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/?p=3693","title":{"rendered":"Niels Kadritzke: Warum Griechenland nicht Italien ist (Corona, Teil I)"},"content":{"rendered":"\n<p>Blog Griechenland<br \/>von Niels Kadritzke | 12. April 2020, letzte \u00c4nderung: 13. April 2020, 15:16 Uhr<\/p>\n<p>Die Corona-Krise schl\u00e4gt uns alle in Bann. Sie bestimmt die Priorit\u00e4ten des eigenen Arbeitens und Nachdenkens, wie auch die Aufmerksamkeit f\u00fcr Probleme der n\u00e4heren und weiteren Umgebung. Warum also noch \u00fcber Griechenland schreiben?<!--more--><\/p>\n<p>Seit einiger Zeit habe ich ohnehin den Eindruck, dass das Interesse f\u00fcr das Land, f\u00fcr seine Menschen und deren Probleme rapide nachgelassen hat \u2013 zumal bei einem linken Leserpublikum.(1) Auch deshalb empfand ich die selbstauferlegte \u201cChronistenpflicht\u201d in Sachen Griechenland immer st\u00e4rker als eine B\u00fcrde, die der M\u00fche nicht mehr ohne weiteres wert ist. Und jetzt noch dieses teuflische Covid-19, das \u00fcberfallartig in unser Leben getreten ist und unser F\u00fchlen und Denken auf das pers\u00f6nliche Wohlergehen zu verengen droht.<\/p>\n<p>Die einzige Antwort, die mir einf\u00e4llt \u2013 man kann es auch intellektuelle Notwehr nennen \u2013 ist das Bem\u00fchen, die Auswirkungen der globalen Virus-Infektion auf eine ohnehin krisengebeutelte Gesellschaft darzustellen. Und entgegen jeder realistischen Einsch\u00e4tzung davon auszugehen, dass die Beschreibung der griechischen Probleme \u2013 und Erfolge \u2013 im Kampf gegen die Pandemie nicht ganz in der Sinflut der Corona-Kriegsberichterstattung untergehen wird.<\/p>\n<p>In zwei Teilen werde ich darzustellen versuchen, wie das Corona-Syndrom die griechische Gesellschaft, Wirtschaft und Politik beeinflusst und welche bleibenden Wirkungen die Pandemie hinterlassen d\u00fcrfte. Ich werde dabei zwangsl\u00e4ufig auf Themen zur\u00fcckkommen, die ich in den letzten Monaten auf diesem Blog und auf den Seiten von Le Monde diplomatique behandelt habe: Zum Beispiel die zentrale Problematik der wirtschaftlichen Entwicklung, oder die sich versch\u00e4rfende Fl\u00fcchtlingskrise<strong>,<\/strong> die Spannungen mit der T\u00fcrkei, aber auch eine interessante Nebenfrage wie das Verh\u00e4ltnis von Staat und orthodoxer Staatskirche. Logischer Ausgangspunkt f\u00fcr diesen Rundumblick ist die Entstehung und Entwicklung der Corona-Pandemie, die Krisenstrategie der Regierung und die Reaktion der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p><strong>Eine epidemiologische Erfolgsgeschichte<br \/><\/strong>Was sich seit Ende Februar in Griechenland abspielt, wird inzwischen fast weltweit als eine \u201csuccess story\u201d gew\u00fcrdigt, die dem Land in den zehn Jahren der Wirtschaftskrise nicht verg\u00f6nnt war. Internationale Experten und Journalisten entdecken in Griechenland auf einmal \u201cein Vorbild f\u00fcr ganz Europa\u201d. Das von der Finanzkrise gebeutelte Land habe \u201csome of the most proactively restrictive measures in Europe\u201d eingef\u00fchrt, hei\u00dft es in der New York Times (vom 5. April 2020). Und diese Ma\u00dfnahmen seien offensichtlich erfolgreich: \u201cGriechenland hat seit dem Ausbruch der Pandemie nur 68 Todesf\u00e4lle gez\u00e4hlt, w\u00e4hrend Belgien \u2013 mit einer etwa gleichgro\u00dfen Bev\u00f6lkerung von 10 Millionen \u2013 1283 Todesf\u00e4lle meldet.\u201d<\/p>\n<p>Die Feststellung gilt nicht nur f\u00fcr die Zahl der Todesopfer. Auch nach dem Kriterium der Ausbreitung von Covid-19 weist Griechenland eine vergleichsweise g\u00fcnstige Bilanz auf: 2081 Corona-F\u00e4lle und nur 93 Todesopfer (Stand vom 11. April 2020). Die Zahl der Erkrankungen in Relation zur Einwohnerzahl liegt nur in Bulgarien, der Slowakei und Ungarn unter dem griechischen Wert von 200 F\u00e4llen auf 1 Million Einwohner (am 11. April). Besonders eindrucksvoll ist der Unterschied zu den anderen EU-S\u00fcdl\u00e4ndern. Die Quote der Corona-F\u00e4lle pro 1 Million Einwohner liegt in Italien 12 Mal h\u00f6her, in Spanien 17 mal und in Portugal 7 mal h\u00f6her als in Griechenland. Bei der Zahl der Toten pro Million Einwohner sind die Unterschiede noch dramatischer: f\u00fcr Spanien liegt diese Kennziffer 39 Mal, f\u00fcr Italien 36 Mal, f\u00fcr Portugal 5 Mal so hoch wie die griechische Todesrate.(2)<\/p>\n<p><strong>Keine Katastrophe wie in Italien und Spanien<br \/><\/strong>Obwohl die Zahlen auch in Griechenland noch ansteigen werden und der Scheitelpunkt der epidemischen Kurve wahrscheinlich sp\u00e4ter erreicht sein wird als in Italien und Spanien, gehen die Experten schon heute davon aus, dass den Griechen eine \u00e4hnlich apokalyptische Entwicklung erspart bleiben wird. Das ist ein gro\u00dfartiger Erfolg f\u00fcr ein Land, dessen Gesundheitssystem noch weit st\u00e4rker unter der Krise und den Haushaltsk\u00fcrzungen der letzten zehn Jahre gelitten hat, als es in Spanien, Portugal und Italien der Fall war.<\/p>\n<p>Nach einem Report von OECD und EU aus dem Jahr 2018 wurden die \u00f6ffentlichen Ausgaben f\u00fcr das Gesundheitswesen in der Krisenperiode (2009 bis 2017) in Griechenland viel einschneidender gek\u00fcrzt als in Italien und Spanien, n\u00e4mlich pro Jahr um 8,7 Prozent gegen\u00fcber 0,9 Prozent (Italien) und 1,4 Prozent (Spanien). Und 2017, nach acht Jahren Krise, waren die \u00f6ffentlichen Gesundheitsausgaben in Griechenland weit unter das Niveau von 2009 abgesunken, w\u00e4hrend sie in Italien und Spanien deutlich h\u00f6her lagen als 2009.(3)<\/p>\n<p>Wie erkl\u00e4rt sich der relativ g\u00fcnstige Verlauf der Corona-Krise in Griechenland und welchen Anteil hat daran das Krisenmanagement der Regierung Mitsotakis? Zun\u00e4chst muss ein Vorbehalt gemacht werden: Die Zahl der Tests (pro eine Million Einwohner) liegt vergleichsweise niedrig, was auch an den beschr\u00e4nkten Laborkapazit\u00e4ten liegt.(4) Im Vergleich mit Griechenland wurden in den anderen EU-S\u00fcdl\u00e4ndern eine vielfache Zahl von Tests durchgef\u00fchrt.(5) Die Dunkelziffer der Infektionen ist also gro\u00df, wobei alle Sch\u00e4tzungen \u00fcber die nicht erfassten F\u00e4lle auf mathematischen Modellen beruhen, die nur bedingt auf Griechenland \u00fcbertragbar sind.(6)<\/p>\n<p>Dennoch steht der relative Erfolg au\u00dfer Frage. Was also wurde in Griechenland richtig gemacht? Erstens hat die Athener Regierung sehr viel schneller und sehr viel konsequenter reagiert als die meisten EU-Partner, und vor allem als die anderen \u201cS\u00fcdstaaten\u201d. Zweitens hat sich der Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung sehr gewissenhaft an die strengen Regeln gehalten \u2013 jedenfalls weitaus disziplinierter als es dem Abziehbild des eigensinnigen, ungeb\u00e4rdigen Zorbas-Griechen entspricht.<\/p>\n<p><strong>Ausgangskontrolle mittels sms<br \/><\/strong>Sofort nach Entdeckung der ersten Corona-Infektion am 27. Februar wurden s\u00e4mtliche Karnevals-Veranstaltungen im ganzen Land abgesagt (das war bekanntlich in Deutschland nicht der Fall). Die ersten allgemeinen Einschr\u00e4nkungen folgten bereits zum 11. M\u00e4rz, als Griechenland erst 99 Corona-F\u00e4lle und noch nicht einen einzigen Todesfall verzeichnete. Die Schlie\u00dfung betraf alle \u00f6ffentlichen und privaten Bildungseinrichtungen, also Kinderg\u00e4rten, Schulen und Universit\u00e4ten, aber auch die privaten Nachhilfeschulen (frontistiria), die ein Gro\u00dfteil der Gymnasiasten nachmittags besucht. Am 13. M\u00e4rz (190 F\u00e4lle und ein Toter) folgte die Schlie\u00dfung von Restaurants, Kafenions und Bars, wie auch aller Museen und arch\u00e4ologischen St\u00e4tten.(7)<\/p>\n<p>Am 23. M\u00e4rz (624 F\u00e4lle) wurde eine allgemeine Ausgangssperre angeordnet. Das war elf Tage nach dem ersten Todesfall. Seit dem 24. M\u00e4rz sind nur noch genau definierte Aktivit\u00e4ten \u2013 wie Einkaufen \u2013 zugelassen, die strikt geregelt sind, etwa durch Kontrolle der Kundenfrequenz in Superm\u00e4rkten. Zur Durchsetzung der Regeln wurden erhebliche Geldstrafen und ein technischer Kontrollmechanismus eingef\u00fchrt: Die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger d\u00fcrfen nur noch mit Ausweis auf die Stra\u00dfe gehen; der Zweck des \u201cAusgangs\u201d muss \u00fcber eine sms-Adresse angemeldet werden. Wer bei einer Kontrolle keine entsprechende sms-Genehmigung auf dem Handy vorweisen kann, f\u00e4ngt sich eine Geldstrafe von 150 Euro ein. Ebenfalls scharf kontrolliert wird die Schlie\u00dfung von Restaurants und Kafenions, wobei f\u00fcr Regelverst\u00f6\u00dfe sehr viel h\u00f6here Geldstrafen (bis zu 5000 Euro) f\u00e4llig sind.(8) Und als sich an den Wochenenden der zweiten M\u00e4rzh\u00e4lfte zeigte, dass viele Leute an die Str\u00e4nde dr\u00e4ngten, ohne das Abstandsgebot einzuhalten, z\u00f6gerte die Regierung nicht, die Str\u00e4nde ebenso zu sperren wie zuvor die Gastst\u00e4tten und Caf\u00e9s.(9)<\/p>\n<p>Was Reisebeschr\u00e4nkungen betrifft, so hat Griechenland bereits am 9. M\u00e4rz (84 Corona-F\u00e4lle) alle Fl\u00fcge von und nach Norditalien untersagt. Am 14. M\u00e4rz (228 F\u00e4lle) wurde das Embargo auf den Luftverkehr mit ganz Italien erweitert. Seit dem 16. M\u00e4rz (352 F\u00e4lle) durften auch keine Passagierf\u00e4hren aus Italien mehr anlegen. Zum selben Zeitpunkt wurde die Flugverbindungen mit Spanien suspendiert, ebenso der gesamte Luftverkehr mit Nicht-EU-L\u00e4ndern. Reisende aus einem EU-Land sind seit diesem Datum zu einer zweiw\u00f6chigen \u201cprivaten Quarant\u00e4ne\u201d verpflichtet, deren Einhaltung von der Polizei kontrolliert wird.<\/p>\n<p><strong>Die gro\u00dfe Disziplin der Bev\u00f6lkerung<br \/><\/strong>Dieses rechtzeitige und exemplarisch strenge Anti-Corona-Programm \u201cvon oben\u201d h\u00e4tte jedoch nicht so positive Ergebnisse gebracht, w\u00e4re es nicht \u201cvon unten\u201d angenommen worden. Was die Regierung der Gesellschaft zumutet, wird von den allermeisten Griechinnen und Griechen akzeptiert und mit gro\u00dfer Disziplin befolgt. Die erste Umfrage seit Beginn der Corona-Krise (von Pulse im Auftrag des Senders Skai TV) dokumentiert eine sehr breite Zustimmung zu den Ma\u00dfnahmen der Regierung: Sie werden von 82 Prozent positiv und von nur 14 Prozent negativ beurteilt. Noch gr\u00f6\u00dfer ist das Einverst\u00e4ndnis mit der einschneidendsten Ma\u00dfnahme, der Einschr\u00e4nkung der Bewegungsfreiheit, die 86 Prozent als positiv und nur 10 Prozent als negativ bewerten.(10)<\/p>\n<p>Woher r\u00fchrt die Entschlossenheit der Regierung und die Zustimmung der griechischen Bev\u00f6lkerung? Nat\u00fcrlich von der Angst, die in allen betroffenen Gesellschaften geweckt wurden und die wir in uns selber sp\u00fcren. In besagter Umfrage bekennen 78 Prozent der Befragten, sie seien \u00fcber das Virus besorgt, 45 Prozent sogar sehr besorgt. Diese Besorgnis hat in Griechenland einen ganz pr\u00e4zisen Ursprung: das Schreckbild Italien und die Schreckensvision eines \u00fcberforderten griechischen Gesundheitssystems.<\/p>\n<p>Die Entwicklung in Italien, wo bereits Ende Februar mehr als 1000 Corona-F\u00e4lle und 29 Tote verzeichnet wurden, hat alle Welt und ganz Europa schockiert. Aber in Griechenland war der Schock noch gr\u00f6\u00dfer, denn Italien ist \u2013 auch emotional \u2013 ein \u201cn\u00e4herer\u201d Nachbar als f\u00fcr andere EU-L\u00e4nder. Sehr viele Griechinnen und Griechen haben an italienischen Universit\u00e4ten studiert, und das schon seit Jahrzehnten. Es ist also ein dichtes Netz pers\u00f6nlicher Beziehungen entstanden, \u00fcber das viele Griechen von Freunden \u00fcber das italienische Drama informiert wurden. Und da die ersten zehn positiven Corona-F\u00e4lle jeweils auf Besuche in Norditalien zur\u00fcckverfolgt wurden (11), entfaltete die Schreckensvision Bergamo in Griechenland eine besonders dramatische Wirkung.<\/p>\n<p><strong>Angst vor dem Zusammenbruch des Gesundheitssystems<br \/><\/strong>Der entscheidende Grund, warum die Horrormeldungen aus Norditalien in Griechenland roten Alarm ausl\u00f6sen mussten, ist allerdings ein zweiter Faktor. Die Regierung Mitsotakis machte sich keine Illusionen \u00fcber den Zustand des \u00f6ffentlichen Gesundheitssystems. Dieser Punkt wird auch in einer Analyse des \u201cgriechischen Wunders\u201d aus spanischer Sicht hervorgehoben: \u201cDie griechische Regierung wusste ganz sicher, wie fragil das Gesundheitssystem des Landes war, w\u00e4hrend die Regierungen Spaniens und Italiens ein \u00fcbertriebenes Vertrauen in ihre Gesundheitssysteme hatten.\u201d(12)<\/p>\n<p>Auch die Bev\u00f6lkerung hat in den Krisenjahren aus eigener Anschauung erlebt, wie schlecht die staatlichen Krankenh\u00e4user mit elementaren Instrumenten und Hilfsmitteln ausgestattet sind. Einleitend habe ich auf den finanziellen Aderlass der Krisenjahre hingewiesen. Unter den Sparma\u00dfnahmen litt auch die intensivmedizinische Versorgung, die im Fall von Pandemien besonders wichtig ist. Zu Beginn der Corona-Krise gab es in ganz Griechenland lediglich 870 Betten auf Intensivstationen, das sind 8,3 Betten pro 100 000 Einwohner. Diese Quote liegt noch um ein Drittel niedriger als in Italien, wo auf 100 000 Einwohner 12,5 Intensivbetten kommen.<\/p>\n<p>Das griechische Gesundheitsministerium hat von den 870 Intensivbetten 247 f\u00fcr Corona-Patienten reserviert, angestrebt ist die Zahl von 400 Einheiten. Das erfordert auch die Aufstockung des Pflegepersonals. Obwohl bereits 3000 neue (wenn auch zeitlich begrenzte) Stellen f\u00fcr \u00c4rzte und Pflegekr\u00e4fte geschaffen wurden, bleibt die Rekrutierung von Personal das gr\u00f6\u00dfte Problem, konstatiert Tassos Teloglou nach einer Recherche \u00fcber die Intensivsationen im nationalen Gesundheitssystem (ESY). Im Notfall werde die Zwangsrekrutierung pensionierter Mediziner und Pflegekr\u00e4fte erwogen. Teloglou berichtet auch \u00fcber ein gro\u00dfes Defizit an Beatmungsger\u00e4ten, vor allem aber an elemantarer Schutzkleidung, bis hin zu Handschuhen und Schutzmasken. Auch der Verband der Krankenhaus\u00e4rzte beklagte \u201cdramatische\u201d Defizite, was den pers\u00f6nlichen Schutz des medizinischen Personals betrifft.(13)<\/p>\n<p><strong>Intensivbetten \u2013 die gro\u00dfe Schwachstelle<br \/><\/strong>Die Unterausstattung mit der n\u00f6tigen Hygiene- und Schutzausr\u00fcstung, die im Lauf der Krisenjahre notorisch geworden ist, rundet das Gesamtbild eines \u00f6ffentlichen Gesundheitswesens ab, das die intensivmedizinischen Belastung durch eine Pandemie nicht aushalten w\u00fcrde. \u201cWenn wir so viele Virus-Infizierte wie in Italien h\u00e4tten, w\u00e4re unser System schon viel fr\u00fcher zusammengebrochen,\u201d konstatierte der Kathimerini-Chefredakteur Alexis Papachelas, nachdem er selbst als Corona-Patient auf der Intensivstation gelegen hatte.(14) Man kann sich also vorstellen, wie erleichtert die Athener Krisenmanager dar\u00fcber sind, dass die Intensivstationen seit dem 9. April mehr Corona-Patienten entlassen k\u00f6nnen als sie aufnehmen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>In der Corona-Krise hat sich das Ungleichgewicht zwischen den \u00f6ffentlichen und den privaten Kliniken, das sich im Zuge der Sparpolitik noch verst\u00e4rkt hat, als fatal erwiesen. Denn die vielen privaten Institutionen bieten beim Kampf gegen die Pandemie keine Entlastung. Im Gegenteil: Die Privatkliniken schicken Patienten mit Erk\u00e4ltungssymptomen umgehend in ein \u00f6ffentliches Krankenhaus, und in der Regel ohne Corona-Test, den sie nur gegen Barzahlung von 300 Euro bieten.(15) Der Verband der Klinik\u00e4rzte (\u039f\u0395\u039dG\u0395) hat die Integration aller privaten Krankenh\u00e4user inklusive ihres Personals in die staatliche Corona-Strategie gefordert. Aber die Notfallplanung der Regierung sieht lediglich vor, dass die Intensivstationsbetten im privaten Gesundheitssektor als Kapazit\u00e4tsreserve beschlagnahmt werden k\u00f6nnen. Die entsprechende Rechtsverordnung bestimmt, dass in diesem Fall die Privatkliniken mit 1600 Euro pro Tag entsch\u00e4digt werden, statt wie bisher mit 800 Euro (Avgi vom 26. und vom 29. M\u00e4rz 2020).<\/p>\n<p><strong>Die besondere Angst der Inselbewohner<br \/><\/strong>Der prek\u00e4re Zustand des ESY macht die \u00c4ngste der Griechinnen und Griechen \u00fcberaus verst\u00e4ndlich. Noch gr\u00f6\u00dfer sind diese \u00c4ngste dort, wo die Schw\u00e4chen des Gesundheitssystems in Ernstfall die t\u00f6dlichsten Folgen h\u00e4tten: auf den Inseln. Was die griechische Bev\u00f6lkerung insgesamt beim Blick auf die norditalienische Katastrophe empfindet, zeigt sich noch verst\u00e4rkt in der Reaktion der Inselgriechen auf die \u201cGefahr vom Festland\u201d.<\/p>\n<p>Schon zu Beginn der Krise forderte der Pr\u00e4fekt der Region S\u00fcd-\u00c4g\u00e4is die Selbstisolierung der Inseln. Man wollte keine \u201cAusl\u00e4nder\u201d jeder Art: keine Touristen, auch keine griechischen und schon gar keine Athener, die ein Ferienhaus auf den Inseln haben. Es ging die gro\u00dfe Furcht um, dass viele von ihnen in der Osterwoche anreisen und bleiben, um ihr Feriendomizil als idyllische Quarant\u00e4ne zu nutzen.<\/p>\n<p>Der Zustrom von Gro\u00dfst\u00e4dtern, die ihrem gef\u00e4hrdeten Biotop entkommen wollen, war auf manchen Inseln schon lange vor Ostern zu beobachten. In Tinos waren die Einheimischen bereits Mitte M\u00e4rz durch die Ankunft der Athener Ferienhausbesitzer stark beunruhigt: \u201cAls einzige Einrichtung, die f\u00fcr Corona-F\u00e4lle vorgesehen ist, haben wir hier einen zur Klinik umgewandelten Schiffscontainer vor dem Gesundheitszentrum.\u201d (Kathimerini vom 19. M\u00e4rz).<\/p>\n<p>Die kleine Dodekanes-Insel Tilos (zwischen Rhodos und Kos gelegen) hat im Winter keine 500 Einwohner. Wenn jetzt Quarant\u00e4ne-Touristen kommen, bef\u00fcrchtet die B\u00fcrgermeisterin Maria Kamma, \u201cwird sich unweigerlich der Coronavirus in Tilos ausbreiten, mit vielleicht katastrophalen Folgen\u201d.(16) Die st\u00e4ndigen Einwohner der Insel sind vorwiegend \u00e4ltere Menschen mit den \u00fcblichen Vorbelastungen. Die Gesundheitsversorgung obliegt, wie auf allen kleineren Inseln, einem jungen \u201cAgrararzt\u201d, der eine Art Ersatzwehrdienst leistet. Und der hat nicht einmal Gesichtsmasken, klagt Maria Kamma. Ein schwerer Corona-Fall m\u00fcsste von Tilos per Hubschrauber nach Rhodos geflogen werden, wo die n\u00e4chste Intensivstation ist.<\/p>\n<p>Die B\u00fcrgermeisterin hat einen Aufruf unterschrieben, in dem die Gemeindeoberh\u00e4upter von elf kleinen Inseln eine strikte Einschr\u00e4nkung von Inselreisen fordern. Die Regierung in Athen hat daraufhin verf\u00fcgt, dass nur noch hinfahren darf, wer den ersten Wohnsitz auf der jeweiligen Insel hat. Aber auch diese Bestimmung wurde bereits von Athenern umgangen, die ihr Ferienhaus als Erstwohnsitz angemeldet haben.<\/p>\n<p><strong>Keine Ostern auf dem Lande<\/strong><br \/>Die \u00c4ngste der Inselbev\u00f6lkerung dr\u00fccken im Grunde die Sorgen aus, die \u00fcberall in der griechischen Provinz herrschen. Zumal angesichts der bevorstehenden Osterwoche, die am 12. April beginnt (das orthodoxe Osterfest wird 2020 eine Woche sp\u00e4ter als das \u201cwestliche\u201d gefeiert). Dabei gibt es auf dem Festland noch mehr Anlass zur Unruhe als auf den Inseln: Zu normalen Zeiten fahren Hunderttausende Stadtbewohner aus Athen und Thessaloniki aufs Land; viele zu den Gro\u00dfeltern ins \u201calte Dorf\u201d, aber noch mehr zu ihren Ferienh\u00e4usern. H\u00e4ufig verlagert sich das Familienleben f\u00fcr die gesamte Osterwoche in die Provinz; man geht in der Nacht zu Sonntag zur Auferstehungsmesse in die Kirche und am Sonntag bedient der Familienvater stundenlang den Grill, \u00fcber dem sich das aufgespie\u00dfte Osterlamm (ganz oder zerst\u00fcckelt) dreht.<\/p>\n<p>Solche \u201cnormalen Ostern\u201d sind im Corona-Jahr eine Schreckensvision \u2013 f\u00fcr die Landbev\u00f6lkerung wie f\u00fcr die Regierung Mitsotakis. Deshalb hat Regierungssprecher Stelios Petsas bereits am 2. April die Parole ausgegeben: \u201cLasst uns dieses Jahr zu Hause bleiben und das Coronavirus aufspie\u00dfen.\u201d (ein etwas verungl\u00fccktes Bild, denn das Virus ist ja nicht unbedingt zum Verzehr geeignet).<\/p>\n<p>Die Osterwoche wird in der Tat zur gro\u00dfen Herausforderung. Die Experten mahnen unentwegt, die ganzen bisherigen Erfolge bei der Eind\u00e4mmung der Pandemie k\u00f6nnten verspielt werden, wenn sich die Stadtbev\u00f6lkerung zu Ostern \u00fcber die Provinz ausbreitet. Die Athener Kathimerini appellierte bereits am 21. M\u00e4rz an das Eigeninteresse der Osterfl\u00fcchter: \u201cDie Leute, die sich einbilden, sie k\u00f6nnten sich vor dem Virus in die Provinz oder auf die Inseln fl\u00fcchten, laufen nicht nur Gefahr, den Virus weiter zu verbreiten. Sie bringen sich auch selbst in Gefahr, weil sie sich an Orte begeben, wo die Infrastruktur auch f\u00fcr die eigene Gesundheitsversorgung nicht hinreichend ist.\u201d<\/p>\n<p><strong>Osterregime mit Geldstrafen und Fahrverboten<\/strong><br \/>Gesundheitsminister Vassilis Kikilias hat f\u00fcr den Fall, dass die Leute nicht zu Hause bleiben, ein \u201cKatastrophenszenario\u201d beschworen. Deshalb will die Regierung das strenge Osterregime mit eiserner Hand durchsetzen. Das zeigen die Ma\u00dfnahmen, die sie bereits am Mittwoch der vor\u00f6sterlichen Woche in Kraft setzte, nachdem sich gezeigt hatte, dass viele Athener \u2013 in Antizipation des Oster-Embargos \u2013 schon Anfang April zu ihren Zweith\u00e4usern aufgebrochen sind.<\/p>\n<p>Seit dem 8. April (und zun\u00e4chst bis zum 27. April) gelten folgende Regeln:<\/p>\n<ul>\n<li>durchgelassen werden nur Leute, die ihren ersten Wohnsitz im Dorf haben; die Berechtigung ist durch den Ausweis und die letzte Steuererkl\u00e4rung nachzuweisen;<\/li>\n<li>wer das Recht auf den Dorfbesuch in Anspruch nimmt, darf bis zum 27. April nicht in die Stadt zur\u00fcckkehren;<\/li>\n<li>wer unberechtigt unterwegs ist, muss die (verdoppelte) Strafgeb\u00fchr von 300 Euro zahlen, zudem wird das Autokennzeichen f\u00fcr zwei Monate eingezogen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Um den \u00f6sterlichen Exodus zu stoppen, kontrolliert die Polizei s\u00e4mtliche Fahrzeuge an den Ausfallstra\u00dfen der Gro\u00dfst\u00e4dte, und zwar nicht nur an den Mautstellen der Nationalstra\u00dfen, sondern auch an allen Nebenstra\u00dfen. \u00c4hnlich scharfe Kontrollen gelten f\u00fcr die Bahnh\u00f6fe und die Busbahnh\u00f6fe der KTEL-Linien, die die Gro\u00dfst\u00e4dte mit der Provinz verbinden. Und nat\u00fcrlich f\u00fcr Flugh\u00e4fen und H\u00e4fen, wobei nicht nur die von Pir\u00e4us ablegenden F\u00e4hren kontrolliert werden, sondern auch die zwischen den Inseln verkehrenden Schiffe.<\/p>\n<p><strong>Die Orthodoxe Kirche im Abseits<br \/><\/strong>Kikilias hat den von den B\u00fcrgern und B\u00fcrgerinnen geforderten Verzicht auf die vertrauten Oster-Usancen als Erfordernis eines \u201cneuen Patriotismus\u201d bezeichnet. Damit spricht er indirekt einen<br \/>interessanten Widerspruch an, der f\u00fcr eine konservative Regierung besonders schmerzlich und besonders schwer zu bearbeiten ist.<\/p>\n<p>Der Corona-Virus attackiert auch ein religi\u00f6ses Fest, das unaufl\u00f6slich mit dem nationalen Selbstverst\u00e4ndnis der Griechen verbunden ist. Die Feier der \u201cAuferstehung des Herrn\u201d ist nicht nur jahreszeitlich mit der \u201cAuferstehung der Nation\u201d im Kampf gegen die Osmanische Herrschaft verbunden, der am 25. M\u00e4rz 1821 begonnen hat. Den traditionellen Anspruch der Orthodoxen Kirche, die \u201cNation\u201d zu beseelen und zu repr\u00e4sentieren, habe ich auf diesen Seiten des \u00f6fteren beschrieben (zuletzt am 29. Oktober 2019 unter dem Titel \u201cModerne Zeiten in Griechenland\u201d). In dieser Analyse der ersten Monate der Mitsotakis-Regierung habe ich aufgezeigt, warum die Kirche auch f\u00fcr die \u201cmoderne\u201d ND von Mitsotakis \u201cein Garant ihrer ideologischen Hegemonie\u201d bleibt. Deshalb, so meine Schlussfolgerung, habe der gro\u00dfe Modernisierer dem Erzbischof zugesagt, dass \u201calles beim Alten\u201d bleiben werde.<\/p>\n<p>Die letzte Aussage ist heute \u00fcberholt. Die Zusage des Regierungschefs wurde inzwischen vom Coronavirus gebrochen. Die gemeingef\u00e4hrliche Pandemie zwang die Regierung, die Gottesdienste \u2013 wie jede gr\u00f6\u00dfere Menschenansammlung \u2013 praktisch zu unterbinden. Dem ging ein z\u00e4her Streit mit der F\u00fchrung der orthodoxen Kirche voraus, den Mitsotakis nach anf\u00e4nglichem Z\u00f6gern mit dem staatlichen Machtwort beendet hat: Die Kirchen bleiben auch in der Osterwoche f\u00fcr das Publikum geschlossen.<\/p>\n<p><strong>Coronavirus zum Abendmahl<br \/><\/strong>Der Erzbischof und die \u201cHeilige Synode\u201d der orthodoxen Kirche hatten sich anfangs geweigert, ihre Gottesdienste dem allgemeinen Versammlungsverbot zu unterwerfen. Zudem hatten sie in einer brisanten epidemiologischen Frage eine unverantwortliche Position bezogen. Bei der Heiligen Kommunion, also dem Abendmahl, nehmen die orthodoxen Gl\u00e4ubigen vom Popen ein in Wein getr\u00e4nktes St\u00fcck Brot entgegen \u2013 und zwar von ein und demselben L\u00f6ffel. Da am Ostersonntag stets besonders viele Gl\u00e4ubige am Abendmahl teilnehmen, schlugen die Gesundheitsexperten schon lange vor Ostern Alarm. Doch die Synode erkl\u00e4rte noch am 9. M\u00e4rz, es sei v\u00f6llig ausgeschlossen, dass der gemeinschaftliche L\u00f6ffel zur Verbreitung des Virus beitragen k\u00f6nne. Die akrobatische Begr\u00fcndung lautete, schlie\u00dflich h\u00e4tten die Gl\u00e4ubigen zu allen Zeiten gewusst, \u201cdass die Heilige Kommunion selbst inmitten einer Pandemie&#8230; jede menschliche und wom\u00f6glich berechtigte Angst besiegt\u201d (EfSyn vom 10. M\u00e4rz 2020). Und der Bischof von Pir\u00e4us pr\u00e4zisierte: \u201cWer an der Heiligen Kommunion teilnimmt, ist Gott nahe, der die Kraft zu heilen hat.\u201d<\/p>\n<p>Mit dieser gemeingef\u00e4hrlichen theologischen Exegese blieb die griechische Kirche der Linie ihres fr\u00fcheren (2008 verstorbenen) Erzbischofs Christodoulos treu, der vor zwanzig Jahren in den Debatten um die AIDS-Pandemie behauptet hatte: Die Heilige Kommunion \u201cist eine Arznei der Unsterblichkeit und nicht eine Todesursache\u201d, daher sei \u201cbereits die Vorstellung, dass vom Abendmahl eine Gefahr ausgehe, frevelhaft, blasphemisch und eine S\u00fcnde\u201d. Ganz in diesem Geiste argumentierte unl\u00e4ngst ein popul\u00e4rer Pope namens Stylianos im staatlichen Fernsehsender ERT, das Abendmahlbrot sei schlie\u00dflich der Leib des Herrn, und der sei nie von Mikroben oder Viren befallen gewesen. Am Ende der Diskussionsrunde erkl\u00e4rte der Wiederg\u00e4nger des Christodoulos, wenn die Regierung die Gottesdienste unterbinden wolle, m\u00fcsse sie \u201cdie Panzer schicken\u201d.(17)<\/p>\n<p><strong>Primat des Staates \u00fcber die Kirche<br \/><\/strong>Die unverantwortliche Haltung der Kirchenoberen hat es der Regierung Mitsotakis erm\u00f6glicht, den Primat des Staates durchzusetzen, ohne die Panzer zu schicken. Und das, ohne ihren R\u00fcckhalt bei ihren kirchentreuen W\u00e4hlern zu verlieren. Zwar unterst\u00fctzten einige ND-Gr\u00f6\u00dfen \u2013 darunter der erzpopulistische Vize-Parteivorsitzender (und Investitionsminister) Georgiades \u2013 die Position des Klerus, aber 90 Prozent der Bev\u00f6lkerung hatten f\u00fcr die Haltung der Kirche kein Verst\u00e4ndnis. Als die orthodoxe Synode auf einer zweiten Sitzung keine Schlie\u00dfung der Kirchen, sondern nur verk\u00fcrzte Sonntagsgottesdienste anordnete und lediglich gef\u00e4hrdeten Personen vom Kirchenbesuch abriet, sprach Mitsotakis am 16. M\u00e4rz ein Machtwort: \u201cDie Regierung suspendiert alle Arten von Gottesdiensten jeglicher Religion und Glaubensrichtung\u2026 Der Schutz der \u00f6ffentlichen Gesundheit erfordert klare Entscheidungen.\u201d<\/p>\n<p>Diese Regelung sollte zwar nur bis zum 30. M\u00e4rz gelten, aber allen war klar, dass die Regierung das Verbot mindestens bis zur Osterwoche verl\u00e4ngern w\u00fcrde. Mitsotakis hatte der Kirche beigebracht, dass ihr Widerstand zwecklos war. Diese empfahl ihren Gl\u00e4ubigen nunmehr, doch lieber zu Hause zu beten und sich im \u00fcbrigen an die Gebote der weltlichen Obrigkeit zu halten.<\/p>\n<p>Tatsache bleibt dennoch, dass die orthodoxe Kirche Griechenlands \u201ceinfache Gottesdienste\u201d noch zu einem Zeitpunkt gestatten wollte, als der Papst und der \u00d6kumenische Patriarch von Istanbul \u2013 als informelles Oberhaupt der orthodoxen Kirchen \u2013 , jedwede Zeremonie mit Publikum untersagt und selbst die iranischen Ayatollahs die Freitagsgebete abgesagt hatten. Das werden auch strenggl\u00e4ubige Menschen nicht so schnell vergessen.<\/p>\n<p>Wie gro\u00df der Prestigeverlust der Kirche in der griechischen Gesamtgesellschaft ist, wird die Zukunft zeigen. Schon heute steht fest, dass der Spielraum f\u00fcr die Regierung Mitsotakis, die Privilegien der Kirche zu beschneiden und ihre verfassungsm\u00e4\u00dfige Sonderstellung als \u201cquasi Staatskirche\u201d aufzuheben, bedeutend gr\u00f6\u00dfer geworden ist. Die Frage ist nur, ob der Regierungschef gewillt ist, diesen Spielraum zu nutzen (siehe dazu den oben genannten Text vom 29. Oktober 2019).<\/p>\n<p><strong>Mitsotakis auf dem Gipfel der Popularit\u00e4t<br \/><\/strong>Kyriakos Mitsotakis hat seit Beginn der Corona-Krise zweifellos an Profil und an staatsm\u00e4nnischer Statur gewonnen. Seine Entscheidungen entsprechen den Empfindungen der Bev\u00f6lkerung ebenso wie dem \u201cgesunden Menschenverstand\u201d, den der Klerus so str\u00e4flich missachtet hat. In der Rolle des entschlossenen Entscheiders erzielt der griechische Regierungschef hohe Zustimmungswerte, die auch seiner Partei zugute kommen. Nach der oben zitierten Pulse-Umfrage liegt Mitsotakis bei der Frage nach dem \u201cgeeigneteren\u201d Ministerpr\u00e4sidenten mit riesigem Vorsprung vor Tsipras (55 zu 22 Prozent). Und seine Partei kommt bei der Sonntagsfrage derzeit auf 45 Prozent der W\u00e4hlerstimmen, die oppositionelle Syriza nur noch auf 22 Prozent. Das bedeutet f\u00fcr die ND einen Zuwachs von 5 Prozent gegen\u00fcber dem Wahlergebnis vom Juli 2019, w\u00e4hrend die Syriza um 10 Prozent abgerutscht ist.<\/p>\n<p>Was diese Entwicklung f\u00fcr die Perspektiven der Regierung und die Rolle der Opposition bedeutet, werde ich im zweiten Teil dieser Analyse darstellen. Was die erfolgreiche Anti-Corona-Strategie betrifft, so sei hier nur auf einen Faktor verwiesen, der wesentlich dazu beitr\u00e4gt, dass sich Mitsotakis als \u201cKrisengewinner\u201d profilieren kann. Dass ein entschlossenes und zugleich unaufgeregtes Krisenmanagement der aktuellen Regierung zugute kommt, kennen wir auch aus anderen L\u00e4ndern. Mitsotakis ist es dar\u00fcber hinaus gelungen, als gewissenhafter aber nicht belehrender Vollzieher der \u201cwissenschaftlich\u201d gebotenen Entscheidungen aufzutreten. F\u00fcr diese sachlich-medizinische Fundierung der Regierungspolitik ist ein Mann verantwortlich, der mit Mitsotakis zusammen ein fast unschlagbares Tandem bildet.<\/p>\n<p><strong>Sotiris der Retter<br \/><\/strong>Sotiris Tsiodras ist das eigentliche \u201cGesicht\u201d des griechischen Kampfs gegen den Coronavirus. Der Diaspora-Grieche ist Professor f\u00fcr Infektionskrankheiten an der Medizinischen Fakult\u00e4t der Athener Universit\u00e4t und eine internationale Kapazit\u00e4t.(18) Er erl\u00e4utert der Nation jeden Abend um 18 Uhr auf allen Fernsehkan\u00e4len die Entwicklungen des Tages auf so sachkundige, ruhige und anschauliche Weise, dass seine Ratschl\u00e4ge ebenso wie seine Warnungen fast von allen ernst genommen werden. Zugleich wirkt der schm\u00e4chtige Mann nicht wie ein \u201cEierkopf\u201d, sondern wie ein schlichter Mitmensch, dem bei traurigen Nachrichten die Tr\u00e4nen kommen.<\/p>\n<p>Dass Tsiodras mit Vornamen Sotiris, also \u201cRetter\u201d hei\u00dft, ist ein Zufall, den viele nicht als Zufall empfinden. Eine Rettung ist er auf jeden Fall f\u00fcr die Mitsotakis-Regierung, die Tsiodras einen gro\u00dfen Teil des Vertrauens verdankt, das die Bev\u00f6lkerung dem staatlichen Krisenmanagement entgegenbringt.<\/p>\n<p>Dieses Vertrauen wird sie noch brauchen. Denn die bislang so ermutigende Entwicklung kann jederzeit durch pl\u00f6tzliche Entwicklungen gef\u00e4hrdet werden, die an drei Krisenherden nicht nur denkbar, sondern wahrscheinlich sind:<\/p>\n<ul>\n<li>in den Strafvollzugsanstalten,<\/li>\n<li>in den Siedlungen der griechischen Roma,<\/li>\n<li>in den Fl\u00fcchtlingslagern auf den Inseln und auf dem Festland.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Krisenherd Gef\u00e4ngnisse<br \/><\/strong>Die Insassen der Strafvollzugsanstalten sind in allen L\u00e4ndern durch die Corona-Pandemie besonders stark bedroht. In Krisenl\u00e4ndern wie Iran wurden deshalb Tausende Gefangene entlassen. In Griechenland sind die Gef\u00e4ngnisinsassen wie das Personal besonders gef\u00e4hrdet, weil fast alle Anstalten \u00fcberbelegt sind. Und zwar bis zu 250 Prozent, wie die Vereinigung der Athener Rechtsanw\u00e4lte feststellt, die am 6. April Alarm geschlagen hat. In einem offenen Brief fordern die Anw\u00e4lte von der Regierung umgehende Schritte, um die Strafanstalten zu entlasten und \u201cdie Gesundheit ihrer Insassen und Angestellten sicherzustellen\u201d.(EfSyn vom 9. April 2020)<\/p>\n<p>Damit konfrontiert die Corona-Krise die Athener Regierung mit den Folgen jahrzehntelanger Fehler und Vers\u00e4umnisse, die das Gef\u00e4ngnissystem zur \u201cewigen Schande\u201d f\u00fcr das Land gemacht haben (so Nikos Konstandaras in der Kathimerini vom 10. April). Anlass f\u00fcr dieses Urteil ist ein Bericht \u00fcber den griechischen Strafvollzug, den das \u201cCommittee for the Prevention of Torture\u201d (CPT) des Europarats am 9. April ver\u00f6ffentlicht hat. Als gravierendstes Probleme benennt das CPT die \u201c\u00dcberbelegung und den chronischen Personalmangel\u201d und zwar auch im Hinblick auf die medizinische Betreuung.<\/p>\n<p>In dem Report hei\u00dft es, die griechischen Beh\u00f6rden seien au\u00dferstande, \u201cauch nur ihre minimalen Verpflichtungen f\u00fcr die Sicherheit der H\u00e4ftlinge und des Personals\u201d zu erf\u00fcllen. Als besonders katastrophal werden die Verh\u00e4ltnisse in den (zu 140 Prozent \u00fcberbelegten) M\u00e4nnerhaftanstalten von Athen (Korydallos) und Thessaloniki geschildert, die laut CPT \u201ceine Beleidigung der menschlichen W\u00fcrde\u201d darstellen. Zum Beispiel weil die Insassen nicht ausreichend mit \u201cHygieneartikeln\u201d versorgt sind und \u201ckeinen regul\u00e4ren Zugang zu Warmwasser\u201d haben.(19)<\/p>\n<p><strong>Panik im Frauengef\u00e4ngnis<br \/><\/strong>Angesichts solcher Verh\u00e4ltnisse fordert der Athener Anwaltsverein, aber auch die Griechische Menschenrechtsvereinigung und andere NGOs, ein Sofortprogramm zum Schutz der Strafvollzugsanstalten vor dem Corona-Virus. Besonders dringlich sei es, angesichts des prek\u00e4ren Gesundheitszustands vieler H\u00e4ftlinge (und des hohen Anteils an Drogens\u00fcchtigen) positiv getestete Corona-Patienten zu isolieren, was in \u00fcberf\u00fcllten Strafanstalten unm\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Wie sehr sich die Betroffenen ihrer Gef\u00e4hrdung bewusst sind, zeigte sich letzte Woche im Frauengef\u00e4ngnis Elaiona bei Thiva in B\u00f6otien. Hier l\u00f6ste der Tod einer 42j\u00e4hrigen Insassin, die Symptome einer Corona-Infektion gezeigt hatte, eine Panik aus. Viele der Frauen verbrannten ihre Matratzen oder weigerten sich, in ihre Zellen zur\u00fcckzukehren. Ihre Forderung nach sofortigen Schutzma\u00dfnahmen sei nur zu verst\u00e4ndlich, hei\u00dft es in einem Bericht der EfSyn vom 9. April, denn in derart \u00fcberbelegten Anstalten werde sich ein eingeschleppter Virus mit \u201cmathematischer Sicherheit\u201d sehr schnell ausbreiten. Die Zeitung klagt, dass die staatlichen Beh\u00f6rden \u2013 trotz st\u00e4ndiger Ermahnungen der Experten und der Anw\u00e4lte \u2013 f\u00fcr einen solchen Fall keine prophylaktischen Ma\u00dfnahmen eingeleitet haben. Damit entziehe sich die Regierung, die beim Kampf gegen die Pandemie st\u00e4ndig an die \u201cpers\u00f6nliche Verantwortung\u201d der B\u00fcrger appelliert, der \u201cstaatlichen Verantwortung gegen\u00fcber den Gef\u00e4ngnisinsassen\u201d.<\/p>\n<p><strong>Ein neuer Krisenherd: Roma-Siedlungen<br \/><\/strong>Seit am 9. April in einem Ortsteil von Larissa zwanzig Menschen positiv auf Corona getestet wurden, werden Roma-Siedlungen in ganz Griechenland von der \u00d6ffentlichkeit als neuer Krisenherd wahrgenommen. Als solcher gilt nun Nea Smyrni: Hier leben etwa 3000 Roma, die bis zum 23. April unter Quarant\u00e4ne gestellt sind. Deshalb ist das Gebiet polizeilich abgeriegelt; die Versorgung der Menschen erfolgt an acht Versorgungsstationen, wo die Bewohner von Nea Smyrni Lebensmittel und Hygieneartikel einkaufen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die zweiw\u00f6chige Zwangsquarant\u00e4ne einer kompletten von Roma-Familien bewohnten Siedlung ist eine heikle Sache. Zwar wurden zuvor schon in der nordgriechischen Provinz bei Kastoria zwei kleine D\u00f6rfer abgesperrt, in denen mehrere Corona-F\u00e4lle aufgetreten waren. Aber in Larissa handelt es sich um ein gro\u00dfes Wohnquartier am Rande einer mittelgro\u00dfen Stadt \u2013 und um eine Bev\u00f6lkerungsgruppe, die in vieler Hinsicht ohnehin diskriminiert ist. Das haben auch einige der Roma von Nea Smyrni so empfunden, die heftig gegen die Absperrung protestiert haben.<\/p>\n<p>Als Diskriminierung werden viele Roma-Familien auch zwei weitere Ma\u00dfnahmen empfinden: In der ganzen Region Thessalien wurden die Wochenm\u00e4rkte abgesagt; untersagt wurde auch die T\u00e4tigkeit der \u201cfliegenden H\u00e4ndler\u201d, die mit Lieferwagen durch die D\u00f6rfer fahren und Haushaltswaren oder auch lebendes Federvieh verkaufen. Das zweite Verbot betrifft ausschlie\u00dflich Roma-Familien. Aber auch auf den Wochenm\u00e4rkten sind Leute aus Nea Smyrni mit St\u00e4nden vertreten, und mehrere von ihnen geh\u00f6rten zu den ersten positiven Corona-F\u00e4llen (Kathimerini vom 11. April).<\/p>\n<p><strong>Die Gefahr der Stigmatisierung<br \/><\/strong>Die Quarant\u00e4ne \u00fcber eine ethnisch homogene Siedlung kann leicht eine diskriminierende Panik-Stimmung ausl\u00f6sen. Das zeigt sich bereits in der Umgebung von Larissa, wo einige Bewohner von Nea Smyrni bei Verwandten Zuflucht gesucht haben. In diesen D\u00f6rfern fordern die Bewohner das \u201csofortige Einschreiten\u201d der Beh\u00f6rden, was immer sie damit meinen. Zudem hat die Provinzverwaltung Thessaliens angeordnet, dass auch in zwei weiteren Roma-Siedlungen (in Farsala und in Tyrvano) stichprobenhafte Tests vorgenommen werden. Begr\u00fcndet wird diese Ma\u00dfnahme damit, dass zwischen Nea Smyrni und diesen Roma-Siedlungen viele und regelm\u00e4\u00dfige Kontakte laufen.(20)<\/p>\n<p>Hier wird aber auch ein Problem deutlich, auf das die staatliche Corona-Strategie in l\u00e4ndlichen Gebieten st\u00f6\u00dft. In den D\u00f6rfern hat ja das Verbot von Veranstaltungen keine gro\u00dfe Bedeutung; nachbarschaftliche oder Familienbeziehungen gehen weiter, nicht nur in und zwischen den Roma-Siedlungen. Aber nat\u00fcrlich ist bei den Roma eine besondere Lebensweise vorherrschend, die epidemische Ansteckungen beg\u00fcnstigt: etwa der enge Zusammenhalt von Gro\u00dffamilien, die beengten Wohnverh\u00e4ltnisse in dicht besiedelten Vierteln, hygienische Defizite, die f\u00fcr \u00e4rmere Bev\u00f6lkerungsgruppen typisch sind, aber auch die berufliche T\u00e4tigkeit als fliegende H\u00e4ndler.<\/p>\n<p>Die Anti-Corona-Strategie des Staates muss allerdings gegen\u00fcber allen Bev\u00f6lkerungsgruppen durchgesetzt werden, auch gegen\u00fcber den Roma. Und wenn es zutrifft, dass in den letzten Wochen noch traditionelle Roma-Hochzeiten stattgefunden haben (wie lokale Medien berichten), gibt es nat\u00fcrlich ein Problem. Dann stellt sich die Frage, ob \u201cder Staat\u201d sofort einschreitet, oder ob er eine Entwicklung zul\u00e4sst, die sp\u00e4ter fast zwangsl\u00e4ufig zur kollektiven Zwangsquarant\u00e4ne f\u00fchrt.<\/p>\n<p>In Larissa stehen die Beh\u00f6rden jetzt vor einem Dilemma, das nur durch enge Zusammenarbeit mit der Roma-Gemeinde und ihren Repr\u00e4sentanten zu l\u00f6sen ist. Das scheint in Nea Smyrni zu funktionieren, jedenfalls zun\u00e4chst. Dazu hat vor allem das Auftreten des Krisenmanagers Tsiodras beigetragen, der zusammen mit dem Innenminister nach Larissa fuhr, um die Betroffenen \u00fcber die Gefahren aufzukl\u00e4ren. Dabei fand er die richtigen Worte, die nicht nur an die Einwohner von Nea Smyrni gerichtet waren: \u201cDie Ma\u00dfnahmen sind gegen die Verbreitung des Virus gerichtet, nicht gegen die Roma. Die Roma sind keine Bedrohung, sondern eine gef\u00e4hrdete gesellschaftliche Gruppe.\u201d<\/p>\n<p>Dennoch bleibt die Situation prek\u00e4r. Und die Gefahr ist gro\u00df, dass \u201cdie Roma\u201d von ihrer Umgebung zum S\u00fcndenbock gemacht werden, falls die Infektionszahlen in Larissa und Thessalien weiter ansteigen sollten. Zwar wurden bei weiteren 200 Tests bislang nur vier weitere positive F\u00e4lle ermittelt (Stand vom 11. M\u00e4rz). Aber dass Nea Smyrni als Corona-Herd ermittelt wurde, macht viele andere Roma-Siedlungen in ganz Griechenland \u201cverd\u00e4chtig\u201d. Ein solcher Generalverdacht wird die Roma insgesamt noch mehr zu einer \u201cpolitisch gef\u00e4hrdeten\u201d Gruppe machen, als sie es ohnehin schon sind.<\/p>\n<p>Dabei gibt es in Griechenland auch noch andere Quartiere, in denen Menschen dicht beieinander und unter unzureichenden sanit\u00e4ren Bedingungen leben, ohne dass sie offiziell als potentielle Krisenherde gesehen werden. Das gilt zum Beispiel f\u00fcr viele Milit\u00e4rkasernen, wobei es \u00fcber die \u201cCorona-Durchseuchung\u201d der griechischen Armee zwar viele Ger\u00fcchte, aber keine Informationen und schon gar keine Zahlen des Verteidigungsministeriums gibt.<\/p>\n<p><strong>Eine tickende Zeitbombe \u2013 die Fl\u00fcchtlingslager<br \/><\/strong>Als Krisenherde der Gefahrenstufe Eins gelten dagegen die Fl\u00fcchtlingslager auf den ost\u00e4g\u00e4ischen Inseln und auf dem griechischen Festland, in denen oft Tausende Asylbewerber und Fl\u00fcchtlinge unter Bedingungen hausen, die f\u00fcr die Verbreitung des Virus nachgerade ideal sind. Deshalb beschreiben UN-Fl\u00fcchtlingsagentur UNHCR und mehrere NGOs h\u00f6llische Orte wie das Lager in Moria auf Lesbos, als \u201ctickende Zeitbombe\u201d.(22)<\/p>\n<p>Die Problematik dieser Lager werde ich im zweiten Teil dieser Analyse darstellen, zumal sie mit der Entwicklung der Fl\u00fcchtlingskrise und dem Verh\u00e4ltnis Griechenland-T\u00fcrkei zusammenh\u00e4ngt, auf die ich ausf\u00fchrlich eingehen werde. Im Mittelpunkt des zweiten Teils wird allerdings die Frage stehen, welche Folgen die Corona-Krise f\u00fcr die griechische Wirtschaft haben wird. Schon heute ist absehbar, dass dem Land eine tiefe Rezession bevorsteht, die angesichts der d\u00fcsteren Perspektiven f\u00fcr den Tourismus-Sektor, die sogenannte Schwerindustrie Griechenlands, unvermeidlich scheint.<\/p>\n<p>Das zentrale politische Motiv f\u00fcr die effektive und bislang so erfolgreiche Corona-Strategie der Athener Regierung ist das Bestreben, die Krise so zu steuern, dass wenigstens die zweite H\u00e4lfte der touristischen Saison \u201cgerettet\u201d wird. Nur dann k\u00f6nnte eine \u201czweistellige Rezession\u201d (also ein Schrumpfen des BIP um mehr als 10 Prozent) vermieden werden, sagen die meisten Wirtschaftsexperten.<\/p>\n<p>Aber selbst wenn es gelingen sollte, das Leben in Griechenland bis Ende Juni oder Anfang Juli einigerma\u00dfen zu normalisieren, w\u00e4re damit ein touristischer Aufschwung nicht gesichert. Ob die ausl\u00e4ndischen Urlauber kommen k\u00f6nnen, h\u00e4ngt vor allem von den Krisenstrategien der anderen L\u00e4nder ab \u2013 und von den \u00f6konomischen Folgen der Krise im gesamten EU-Raum. Selbst wenn die Reiselust nicht mehr durch Embargos und Grenzkontrollen einged\u00e4mmt wird, w\u00fcrde eine schwere globale Rezession den finanziellen Spielraum f\u00fcr Ferienreisen drastisch einschr\u00e4nken. Wie man es auch dreht und wendet: Griechenland steht erneut vor schweren Zeiten.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Anmerkungen<br \/><\/span>1) \u00dcber die Gr\u00fcnde kann man spekulieren, eine wichtige Rolle spielen dabei aber sicher die entt\u00e4uschten Erwartungen an eine \u201clinke\u201d Regierung in Athen, wobei diese Entt\u00e4uschung nur den logischen Absturz aus \u00fcberzogenen Hoffnungen darstellt.<\/p>\n<p>2) Basierend auf den Zahlen vom 11. April. Ungeachtet der Unsicherheit bei der Erfassung der F\u00e4lle sowie der Dunkelziffern (aufgrund unterschiedliche Methodik und H\u00e4ufigkeit der Tests) sind diese Zahlen sehr aussagekr\u00e4ftig.<\/p>\n<p>3) Siehe den Report von OECD und EU: \u201cHealth at a Glance: Europe 2018\u201d, S. 132 ff. Zu finden unter: https:\/\/ec.europa.eu\/health\/sites\/health\/files\/state\/docs\/2018_healthatglance_rep_en.pdf.<\/p>\n<p>4) Kathimerini vom18. und 19. M\u00e4rz 2020. Zum Beispiel wurden am 18. M\u00e4rz 418 Corona-F\u00e4lle registriert, die das Resultat von lediglich 6000 Tests waren. Wegen des gravierenden Mangels an Test-Sets wurden in Griechenland (wie in Gro\u00dfbritannien) nicht einmal das Krankenhaus-Personal getestet, wenn es keine Symptome zeigte.<\/p>\n<p>5) In Italien fast 5 Mal so viel, in Portugal knapp 4 Mal und in Spanien gut 3 Mal so viel wie in Griechenland (bis zum 5. April 2020); Zahlen nach: https:\/\/www.worldometers.info\/coronavirus\/<\/p>\n<p>6) Der epidemiologische Chefberater der Regierung, Sotiris Tsi\u00f3dras, geht davon aus, dass die Zahl der tats\u00e4chlichen Infektionen mindestens zehn mal h\u00f6her liegt als die durch positive Tests belegten F\u00e4lle. Siehe Kathimerini vom 23. M\u00e4rz 2020.<\/p>\n<p>7) Ein Vergleich des Zeitablaufs mit anderen S\u00fcdl\u00e4ndern zeigt: Die Schlie\u00dfung der Schulen erfolgte in Griechenland einen Tag vor der ersten Toten, dagegen vergingen in Frankreich 15 Tage, in Italien 12 Tage und in Spanien 6 Tage; die Schlie\u00dfung der meisten Gesch\u00e4fte wurde in Griechenland 5 Tage nach dem ersten Todesfall angeordnet, in Frankreich 29 Tage, in Italien 18 Tage und in Spanien 11 Tage sp\u00e4ter (nach einer Aufstellung in den Abendnachrichten von SkaiTV am 10. April 2020).<\/p>\n<p>8) In den ersten zwei Wochen nach Einf\u00fchrung der Ausgangsbeschr\u00e4nkungen (am 23. M\u00e4rz) hat die griechische Polizei landesweit 21 308 Strafmandate von 150 Euro verh\u00e4ngt; gegen 353 Besitzer von Gesch\u00e4ften und Lokalit\u00e4ten, die gegen das Schlie\u00dfungsdekret (vom 12. M\u00e4rz) versto\u00dfen haben, wurden Verfahren eingeleitet (nach Kathimerini vom 6. April 2020).<\/p>\n<p>9) Kurz darauf wurde das Schwimmen im Meer und jede Art von Wassersport generell verboten (Kathimerini vom 2. April 2020).<\/p>\n<p>10) Bemerkenswert ist dabei der \u00fcberparteiliche Charakter der Zustimmung: Auch von den Syriza-W\u00e4hlern beurteilen 78 Prozent die Corona-Abwehrma\u00dfnahmen als positiv. Weitere Details der Umfrage in Kathimerini vom 2. April 2020 (https:\/\/www.Kathimerini.gr\/1072035\/gallery\/epikairothta\/politikh\/dhmoskophsh-megalh-h-anhsyxia-gia-thn-pandhmia-ka8olikh-h-apodoxh-twn-metrwn).<\/p>\n<p>11) Die erste gr\u00f6\u00dfere Gruppe von Infizierten brachte den Virus von einer Pilgerreise nach Israel und \u00c4gypten mit.<\/p>\n<p>12) So Cristina Losada auf der Website Libertad Digital, zitiert nach der griechischen \u00dcbersetzung in: Kathimerini vom 8. April 2020.<\/p>\n<p>13) Bis zum 5. April waren erst 40 zus\u00e4tzliche Intensivbetten bereitgestellt und mit dem n\u00f6tigen Personal ausgestattet. Diese und andere Details zur Ausstattung der \u00f6ffentlichen Krankenh\u00e4user bei Teloglou, Kathimerini vom 23. M\u00e4rz, Kathimerini (engl. Ausgbe) vom 29. M\u00e4rz und Avgi vom 30. M\u00e4rz 2020.<\/p>\n<p>14) In seinem pers\u00f6nlichen Bericht in der Kathimerini vom 5. April spricht Papachelas von dem engagierten, aber unterbezahlten medizinischen Personal, dem oft die notwendigsten Schutzmittel fehlen und stellt sich die Frage, \u201cwarum unsere Krankenh\u00e4user in vieler Hinsicht auf Spenden von Privatleuten angewiesen sind, w\u00e4hrend der Staat es nicht schafft, auch nur die notwendigsten Mittel bereitzustellen\u201d. Solche Fragen waren dem Patienten vor seiner Corona-Infektion nie in denSinn gekommen.<\/p>\n<p>15) Kathimerini vom 20. und vom 23. M\u00e4rz 2020, Avgi vom 29. M\u00e4rz 2020. Intensivstationsbetten im privaten Gesundheitssektor k\u00f6nnen zwar theoretisch als Kapazit\u00e4tsreserve beschlagnahmt werden, wenn der Staat den Notstand erkl\u00e4rt. Per Rechtsverordnung hat die Regierung die \u201cEntsch\u00e4digung\u201d f\u00fcr die Privatkliniken von 800 auf 1600 Euro pro Tag verdoppelt. Siehe Avgi vom 26. und vom 29. M\u00e4rz 2020.<\/p>\n<p>16) Siehe den Bericht (auf englisch) auf der Website Greek Reporter vom 6. April 2020, und EfSyn vom 27. M\u00e4rz 2020.<\/p>\n<p>17) Die Sendung vom 29. Februar ist auf youtube zu finden (https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=QdlOwGv6HmM).<\/p>\n<p>18) Ein gutes Portr\u00e4t von Tsiodras zeichnet Tom Ellis in der englischen Ausgabe der Kathimerini vom 9. April 2020.<\/p>\n<p>19) Die englische Kurzfassung dieses niederschmetternden CPT-Berichts unter: https:\/\/rm.coe.int\/16809e2059.<\/p>\n<p>20) Diese und weitere Details aus EfSyn vom 11. M\u00e4rz und aus der Internet-Zeitung onlarissa.gr vom 10. und 11. M\u00e4rz 2020.<\/p>\n<p>21) Stand vom 11. M\u00e4rz. Die meisten positiv getesteten Bewohner von Nea Smyrni wurden in einem staatlichen Rehabilitationszentrum untergebracht.<\/p>\n<p>22) Zum Beispiel von der European Stability Initiative in ihrem neuen Newsletter vom 2. April 2020 (https:\/\/www.esiweb.org\/newsletter\/mitsotakis-plan-who-needs-act).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27,6],"tags":[],"class_list":["post-3693","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gr-pol-entwicklung","category-hintergrund"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3693","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3693"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3693\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3749,"href":"https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3693\/revisions\/3749"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3693"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3693"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3693"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}