{"id":1402,"date":"2016-11-16T19:59:43","date_gmt":"2016-11-16T17:59:43","guid":{"rendered":"http:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/?page_id=1402"},"modified":"2016-11-21T19:52:56","modified_gmt":"2016-11-21T17:52:56","slug":"licht-und-schatten-fuer-hellas","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/xn--respekt-fr-griechenland-kpc.de\/?page_id=1402","title":{"rendered":"Licht und Schatten f\u00fcr Hellas"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><span style=\"font-size: 12pt;\">Die Signale f\u00fcr Griechenland sind im Fr\u00fchjahr 2016\u00a0 sehr gegens\u00e4tzlich.<em><br \/>\n<\/em>Einerseits haben die europ\u00e4ischen Gl\u00e4ubiger (oder Teile davon) bei den Verhandlungen zwischen Griechenland und der Troika am zweiten Mai-Wochenende Erleichterungen f\u00fcr k\u00fcnftige Schuldenr\u00fcckzahlungen angedeutet. Andererseits gingen dem mehr oder weniger aufgezwungene Beschl\u00fcsse des griechischen Parlaments voraus.<\/span> <\/span><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Die Renten wurden gek\u00fcrzt, die Einkommensteuer wurde erh\u00f6ht, beides soll einen Betrag von je 1,8 Mrd. \u20ac\u00a0 erbringen.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\"> Dar\u00fcber hinaus ist in K\u00fcrze die Anhebung weiterer v.a. Steuern geplant, so<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-size: 10pt;\">die Anhebung der Mehrwertsteuer von 23 auf 24 % f\u00fcr zahlreiche elementare Produkte und Dienstleistungen<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 10pt;\">Erh\u00f6hung der Preise f\u00fcr Benzin um 5 Cent, Heiz\u00f6l um 8 Cent<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 10pt;\">Abgaben auf Festnetz und PayTv.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">F\u00fcr sehr viele Griechen werden diese Einschnitte die Not verschlimmern, v.a. durch die indirekten Steuern.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Der stellvertretende Ministerpr\u00e4sident Dragasakis erhofft sich von diesen Ma\u00dfnahmen, die jedenfalls in der Summe von der Troika verlangt wurden, dass diese anschlie\u00dfend 9 \u2013 12 Mrd. \u20ac \u00a0an Athen \u201egeben\u201c und dass in der Folge die Wirtschaft belebt werde (siehe Spiegel online 16. Mai, \u201eGriechenland plant h\u00f6here Mehrwertsteuer\u201c). Ob sich diese Hoffnung erf\u00fcllt, wird man sehen. Richtig ist jedoch, dass ein Ausweg allein in einer Belebung der Wirtschaft liegen kann, mit auf die Wirtschaftsstruktur des Landes passenden Investitionen und einer \u00f6kologischen Erneuerung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt;\"><strong>Widersinnige Steuerh\u00f6hungen<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Nach unternehmernahen Kreisen (siehe FAZ 9.5. 2016 \u201eNeues Drehbuch f\u00fcr endloses Griechenland-Drama\u201c) sei die Mehrwertsteuererh\u00f6hung kontraproduktiv, weil bei diesem hohen Satz die Steuerhinterziehung ansteige; bei anderen Ma\u00dfnahmen geht der Kommentator davon aus, dass sie nicht durchgesetzt w\u00fcrden \u2013 die kalkulierten Ertr\u00e4ge w\u00e4ren demnach Luftbuchungen. Man wird sehen. Jedenfalls schaden die von den Gl\u00e4ubigern veranlassten Steuererh\u00f6hungen dem Tourismus, was das Bruttoinlandsprodukt weiter sinken l\u00e4sst, wodurch neue Steuerh\u00f6hungen und Leistungsk\u00fcrzungen begr\u00fcndet werden \u2013 und der negative Kreislauf dreht sich eine weitere Runde.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Das \u201eWohlverhalten\u201c der griechischen Regierung und der Parlamentsmehrheit ist jedenfalls Voraussetzung daf\u00fcr, dass Griechenland aus dem im Sommer 2015 beschlossenen Hilfspaket\/Kreditprogramm von 86 Mrd. \u20ac weitere Mittel bekommt. Insbesondere sind im Juli erhebliche Zahlungen aus Krediten f\u00e4llig, f\u00fcr die dem Staat die Gelder fehlen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Ulrike Herrmann hat in der Taz (10. Mai 2016) diesen \u201esinnlosen Kreisverkehr des Geldes\u201c kritisiert, \u201eder die ganze Eurozone lahmlegt.\u201c Bei den Br\u00fcsseler Verhandlungen sei es nur darum gegangen, ob die Europ\u00e4er Griechenland neue Kredite gew\u00e4hren, damit es alte Kredite bei den Europ\u00e4ern tilgen kann (siehe auch die Berechnungen der \u201eEurop\u00e4ische Schule f\u00fcr Management und Technologie \u201c (EMST), wohin die bisherigen \u201eHilfen\u201c geflossen sind, \u00fcber die z. B. in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung berichtet wurde; <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/eurokrise\/griechenland\/die-griechenland-hilfspakete-halfen-vor-allem-banken-14215453.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/eurokrise\/griechenland\/die-griechenland-hilfspakete-halfen-vor-allem-banken-14215453.html<\/a>).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt;\"><strong>Konzept des ESM f\u00fcr Streckung<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Unabh\u00e4ngig von dieser allgemeinen Kritik ist interessant, welches Konzept f\u00fcr Schuldenerleichterungen Griechenlands der ESM f\u00fcr ein Treffen der Euro-Finanzminister am 9. Mai ein vorgelegt hat. Dieses besteht laut der \u201eFrankfurter Allgemeinen Zeitung\u201c aus drei Elementen: \u201eDie Laufzeit f\u00fcr Kredite k\u00f6nnte um f\u00fcnf Jahre auf 37,5 Jahre verl\u00e4ngert werden. Zudem k\u00f6nnten bis 2050 die R\u00fcckzahlungen auf ein Prozent des griechischen Bruttoinlandsprodukts festgesetzt und die Zinszahlungen f\u00fcr Darlehen auf zwei Prozent begrenzt werden.\u201c (\u201eLaufzeit der Griechenland-Kredite k\u00f6nnte nochmals verl\u00e4ngert werden\u201c, <a href=\"http:\/\/www.faz.net\">www.faz.net<\/a>, 10.5.2016, <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/eurokrise\/griechenland-krise-esm-ueber-schuldentragfaehigkeit-besorgt-14224508.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/eurokrise\/griechenland-krise-esm-ueber-schuldentragfaehigkeit-besorgt-14224508.html<\/a>).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Zur Erl\u00e4uterung: dies w\u00fcrde einen Schuldendienst von rund 6 Mrd. \u20ac bzw. <strong>Tilgungen von 2 Mrd. \u20ac<\/strong> pro Jahr bedeuten, denn das Bruttoinlandsprodukt Griechenlands betr\u00e4gt schwankend um 200 Mrd. \u20ac (2006 bis 2010 zwischen 220 und 240 Mrd. \u20ac, danach 180 bis 190 Mrd. \u20ac). Nach verschiedenen Informationen des BMF an den Deutschen Bundestag summieren sich die vorhersehbaren Tilgungsleistungen z.B. in den zehn Jahren 2016 bis 2015 auf 58 Mrd. \u20ac, also <strong>knapp 6 Mrd. pro Jahr<\/strong>; dies schlie\u00dft alle Gl\u00e4ubiger ein, also nicht nur die europ\u00e4ischen, sondern auch den IWF und weitere). Dies zeigt, dass durch ein solches Konzept Erleichterungen erreicht w\u00fcrden \u2013 auch wenn man ber\u00fccksichtigen muss, dass ein solches Angebot sich zun\u00e4chst nicht auf die nicht-europ\u00e4ischen Gl\u00e4ubiger beziehen w\u00fcrde.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Zur Erinnerung: die derzeit noch g\u00fcltige Zielmarke f\u00fcr den griechischen Staatshaushalt ist, dass ab dem Jahr 2018 dauerhaft ein Prim\u00e4r\u00fcberschuss 3,5 % vom Bruttoinlandsprodukt erreicht werden muss, also eine Gr\u00f6\u00dfenordnung von 7 Mrd. \u20ac; der IWF h\u00e4lt dies f\u00fcr v\u00f6llig unrealistisch und hat eine Rate von 1,5 % ins Spiel gebracht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Reiner Schiller-Dickhut<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Signale f\u00fcr Griechenland sind im Fr\u00fchjahr 2016\u00a0 sehr gegens\u00e4tzlich. Einerseits haben die europ\u00e4ischen Gl\u00e4ubiger (oder Teile davon) bei den Verhandlungen zwischen Griechenland und der Troika am zweiten Mai-Wochenende Erleichterungen f\u00fcr k\u00fcnftige Schuldenr\u00fcckzahlungen angedeutet. 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