Begleitmaterial Teil 2: Zur historisch-politischen Einordnung des Films

(Teil 2 des Begleitmaterials (insgesamt 3 Teile) zur Bildungsarbeit mit dem Film DER BALKON)

2.1 Deutsche Besatzungspolitik gegenüber Griechenland –
und ihre Auswirkungen auf die griechische Nachkriegsgesellschaft


Im Oktober 1940 hatte Italien Griechenland angegriffen, wird aber von der griechischen Armee besiegt. Am 6. April 1941 lässt Nazi-Deutschland die Wehrmacht in Griechenland einmarschieren. Beginn der mörderischen Besatzungszeit. Am 23.4.1941 kapitulieren die griechischen Streitkräfte. Das Land wird in drei Besatzungszonen zwischen Deutschland, Bulgarien und Italien aufgeteilt und von allen drei Besatzungsmächten ausgebeutet – am stärksten von Deutschland. Die Besatzungsmächte setzen griechische Regierungen ein, die mit ihnen kollaborieren. Linke und nationalistische Partisanengruppen leisten Widerstand. Im September 1943 schließt Italien einen Waffenstillstand mit den Alliierten. Die deutschen Besatzer gliedern die bisherige italienische Besatzungszone in ihren Machtbereich ein. Die italienischen Soldaten werden von ihnen entwaffnet. Im Oktober 1944 zieht sich die Wehrmacht aus Griechenland zurück. Ein Bürgerkrieg beginnt.

Prolog: Hakenkreuz auf der Akropolis. Aus Marc Mazower, Griechenland unter Hitler. Das Leben während der deutschen Besatzung 1941-1944, S. Fischer Verlag, Frankfurt 2016 (zuerst erschienen auf Englisch Yale University Press 1993) , S. 24-30
Schilderung des Einmarsches der deutschen Truppen von Nordgriechenland bis Athen, 6.- 27. April 1941

Deutsche Besatzungspolitik gegenüber Griechenland (1941-1944)
die Spaltung der griechischen Gesellschaft wird verstärkt. Andreas Poltermann (4 Seiten)

Das Böse kommt von weit her. Gedenkrede an das Massaker von Kommeno am 16. August 1943
Rede von Moysis Elisaf, Bürgermeister von Ioannina, zur Gedenkfeier am 16.08.2020 (5 Seiten)

„Wenn ihr euch erinnert, können wir vergessen“. Hagen Fleischer (siehe: Bundeszentrale für politische Bildung) (4 Seiten)

2.2 Folgen der Besatzung für Griechenland und seine Bewohner

Das NS-Regime stürzte Griechenland während der Besatzungszeit in eine Hungerkatastrophe. In wenigen Ländern wüteten die Wehrmacht und die SS so brutal wie in Griechenland. Im Rahmen von sogenannten Vergeltungsaktionen gegen unschuldige Zivilisten kam es zu exzessiven Geiselerschießungen, zur Ermordung von Frauen, Kindern und Greisen. Bekannt sind über 1000 Opfergemeinden, die von der Wehrmacht und der SS ganz oder teilweise in Brand gesetzt wurden. Die griechischen Juden wurden deportiert und ermordet. Beraubung und Zerstörung der Infrastruktur waren so schwer, dass Griechenland sich danach kaum erholen konnte und die Auswirkungen bis heute zu benennen sind.

Plünderung – Ausbeutung – Beraubung (3 Seiten)
– Auszüge aus Mark Mazower, Griechenland unter Hitler. Das Leben unter der deutschen Besatzung 1941-1944, S. Fischer Verlag, Frankfurt /Main 2016; S. 47-51 (gekürzt) und S. 283
– Zitat aus Anna Maria Droumpouki, Raub und Rehabilitation: Die deutschen Entschädigungen für die griechischen Juden. In: Nikolas Pissis &Dimitris Karydas (Hg.), Die „Neue Ordnung“ in Griechenland 1941-1944, Edition Romiosinis/CeMoG, Freie Universität Berlin 2020, 97-123, S. 102
– Zitat aus Karl-Heinz Roth & Hartmut Rübner, Reparationsschuld. Hypotheken der deutschen Besatzungsherrschaft in Griechenland und Europa, Metropol Verlag, Berlin 2017, S. 43

Hunger in Athen, Winter 1941/42 (3 Seiten)
Zitate aus: Mark Mazower, Griechenland unter Hitler, a.a.O., S. 57-66 gekürzt

Ursachen der Hungersnot (2 Seiten)
Aus: Katerina Králová, Das Vermächtnis der Besatzung. Deutsch-griechische Beziehungen seit 1940, Böhlau Verlag, Köln 2016, S. 34-36

Bilanz der Zerstörung und der Menschenverluste in Griechenland im Zweiten Weltkrieg (2 Seiten)
– Zusammenstellung aus: Dimitrios K. Apostolopoulos, Die griechisch-deutschen Nachkriegsbeziehungen. Historische Hypothek und moralischer Kredit, Peter LangVerlag, Berlin 2004 , S. 21

– Zitate aus Karl-Heinz Roth & Hartmut Rübner, Reparationsschuld, a.a.O., S. 42/43
– Zitat aus Mark Mazower, Griechenland unter Hitler, a.a.O., S. 225 f.

Karte: Orte deutscher Kriegsverbrechen in Griechenland
jugend.erinnert. Die Karte entstand im Auftrag und durch Förderung des BMFSFJ

Bilder des Grauens und der Erschöpfung. Was Filmaufnahmen gleich nach Abzug der deutschen Truppen im Herbst 1944 zeigen (1 Seite)
Zitat aus Mark Mazower, Griechenland unter Hitler, a.a.O., S 17

2.3 Verweigerung und Desertieren von deutschen Soldaten

Es gab deutsche Soldaten, wenn auch nur wenige, die nach Wegen suchten, sich an den Massakern nicht zu beteiligen. Ein Beispiel ist Karl Schumacher in Lyngiades. Andere gingen weiter. Einige unterstützten heimlich den griechischen Widerstand z.B. durch Flugblätter an die deutschen Soldaten, durch Sabotage oder durch die Weitergabe von Informationen über bevorstehende Angriffe oder Massaker der deutschen Besatzer. Andere desertierten, indem sie zu den Partisanen der linken Gruppierung ELAS überliefen. Die Anzahl der Überläufer wird auf mehrere hundert geschätzt. Bei den insgesamt geringen Zahlen ist der massive Terrors der Wehrmachtsjustiz im Zweiten Weltkrieg gegen Deserteure mitzudenken. *

* Siehe Gregor Kritidis, Überläufer. Deutsche Deserteure in den Reihen der griechischen Befreiungsbewegung, in Chryssoula Kambas und Marilisa Mitsou (Hgg.), Die Okkupation Griechenlands im zweiten Weltkrieg, Böhlau Verlag 2015, S. 199-210

Widerstand von Griechen und Deutschen. Hilde Schramm (2 Seiten)

Karl der „Gute“. Aus: Christoph U. Schminck-Gustavus, Feuerrauch, Literaturangabe.siehe unter 1.1

Zwei Unterstützer der Partisanen: Wolfgang Abendroth und Werner Illmer (2 Seiten)
Zitate aus Gregor Kritidis, Überläufer, a.a.O., S. 199-204 (gekürzt)

Gedenktafel für Greta Golfinopoulou, einer Deutschen, die in Longos auf dem nördlichen Peloponnes lebte (1 Seite)
Text und Foto von Werner Sollbach

2.4 Die Deportation griechischer Juden

Über 60.000 Juden und Jüdinnen wurden aus Griechenland in die Vernichtungslager nach Polen deportiert. Die meisten stammten aus Thessaloniki, dem ehemaligen „Jerusalem des Balkans“. Die Hilfsbereitschaft der christlichen Bevölkerung unterschied sich von Ort zu Ort. So gab es in Athen beachtliche Rettungsaktionen, in Thessaloniki nicht. Innerhalb der griechischen Gesellschaft findet zunehmend eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Teil ihrer eigenen Geschichte statt.

Ausplünderung, Deportation und Ermordung der griechischen Juden während der deutschen Okkupation Griechenlands 1941-1944. Andreas Poltermann (6 Seiten)

Offener Brief des Erzbischofs Damaskinos von Athen gegen die Deportation der griechischen Juden, 23. März 1943 (3 Seiten). Von dem Brief auf Griechisch liegt uns nur eine englische, keine deutsche Übersetzung vor.


Deutsche Wiedergutmachungsleistungen an jüdische Überlebende der Shoah aus Griechenland. Andreas Poltermann (4 Seiten)

 

2.5 Die Okkupation Griechenland im europäischen Vergleich

Auch in der Ukraine, in Belarus und in Russland wurden Massaker an der Zivilbevölkerung verübt und Dörfer abgebrannt. sogar weit mehr als in Griechenland. Diese und weitere Länder wurden ebenfalls vom deutschen Staat beraubt. Eine Zuwendung zu Griechenland, die solange unterblieb und nun ansteht, darf nicht den Terror in anderen okkupierten Ländern vergessen. Sie sollte aber fragen, worin unterscheidet sich die deutsche Besatzungspolitik in Griechenland von der Besatzungspolitik in anderen Ländern? Und was ist das Gemeinsame?

Die Okkupation Griechenlands im Vergleich mit den übrigen besetzen Gebieten Europas.
Aus Karl-Heinz Roth & Hartmut Rübner, Reparationsschuld, Metropol Verlag 2017, Seiten 44-51