Begleitmaterial Teil 3: Zum Stand und Fortgang der Bildungsarbeit

(Teil 3 des Begleitmaterials (insgesamt 3 Teile) zur Bildungsarbeit mit dem Film DER BALKON)

Vorbemerkung zur erweiterten Erprobung

Ein Probelauf mit dem Film fand im Herbst 2020 in einigen Schulen in Rheinland-Pfalz statt (siehe 3.5, 3.6, 3.7). Vereinzelte Rückmeldungen aus anderen Bundesländern liegen ebenfalls vor. Auf dieser Grundlage soll im Schuljahr 2021/2022 eine erweiterte Erprobung in möglichst vielen Bundesländern folgen. Darin sehen wir einen Beitrag zur Auseinandersetzung mit der deutschen Kriegsschuld gegenüber Griechenland im Bildungsbereich und in unserer Gesellschaft. Wir erhoffen uns konkrete Erkenntnisse darüber, unter welchen Bedingungen und bei welchen Vermittlungsformen der Film in der schulische und außerschulische Bildungsarbeit welche Resonanz findet. Für diese Aufgabe suchen wir auf Lehrende, die den Film in ihren Lerngruppen zeigen und uns eine Rückmeldung geben.

Uns ist daran gelegen, dass der Film in unterschiedlichen Kontexten gezeigt wird, z.B. in einer Doppelstunde, als Teil einer Unterrichtssequenz, bei Projekttagen, in Jugendclubs, in Volkshochschulen, bei Begegnungen von deutschen und griechischen Jugendlichen. Entsprechend vielfältige didaktische und methodische Anregungen werden wir an Pädagoginnen und Pädagogen weitergeben können, die das bisher vernachlässigte Thema in den kommenden Jahren aufgreifen wollen.

Parallel zur laufenden Erprobung nehmen wir Kontakt zu Medienzentren/ Landesbildstellen, Landeszentralen für politische Bildung, Bildungsministerien, Einrichtungen der Lehrerfortbildung und andere Institutionen auf. Wir wollen sie veranlassen, den Film und das Begleitmaterial in ihre Programme und ihre Verteiler aufzunehmen und die hierfür notwendige Lizenz zu erwerben.

Respekt für Griechenland bietet für die praktische Arbeit mit dem Film in der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit folgende Materialien an:

3.1 Informationen für Pädagogen und Multiplikatoren

Außer in Rheinland-Pfalz gab es zeitlich leicht verschoben auch in anderen Bundesländern Interesse an dem Vorhaben. Aber Corona bedingt konnte dort eine pädagogische Arbeit mit dem Film nur in wenigen Ausnahmefällen stattfinden. Nun haben wir einen Neustart für das Schuljahr 2021/ 2022 vorbereitet und hoffen auf zahlreiche Pädagoginnen und Pädagogen, die sich an der Erprobung beteiligen.

Informationen für Pädagogen und Multiplikatoren (1,5 Seiten)
Das Informationsblatt enthält unter anderem den Vimeo-Zugang zum Film.


3.2 Erprobung in weiteren Bundesländern

Nach den guten Ergebnissen des Probelaufs in Rheinland-Pfalz wollen wir in anderen Bundesländern zusätzliche Erfahrungen mit dem Einsatz des Films sammeln – in verschiedenen kulturellen und sozialen Milieus, in heterogen zusammengesetzten Lerngruppen, in unterschiedlich geprägten Regionen. Zu den Ausgangsbedingungen gehören die Vorkenntnisse zu Griechenland, die von den Lehrenden mitgebracht werden. Und gerade unter diesem wichtigen Aspekt dürften die beteiligten Lehrkräfte in Rheinland Pfalz eine Ausnahme gewesen sein. Dank einiger weniger Personen an den richtigen Stellen im öffentlichen Bildungssektor findet in Rheinland-Pfalz schon seit mehreren Jahren eine Auseinandersetzung mit der deutschen Okkupation Griechenlands im Zweiten Weltkrieg und der deutschen Kriegsschuld statt. Das Thema wurde und wird hier Lehrkräften über Begegnungsreisen und Veranstaltungen nahegebracht und in die Schulen hineingetragen. Ein solche Unterstützung bei der Aneignung von Kenntnissen und Problembewusstsein zur griechischen Geschichte und Gegenwart kann wohl in den anderen Bundesländern nicht vorausgesetzt werden.

3.3 Rückmeldungen aus Schulen sowie aus der Jugend- und Erwachsenenbildung

Die Sinnhaftigkeit der erweiterten Erprobungsphase steht und fällt damit, ob die Pädagogen, die mit dem Film gearbeitet haben, sich die Zeit nehmen, uns ihre Erfahrungen mitzuteilen. Deren Auswertung wird den Hauptteil des Abschlussberichts ausmachen, den wir im Herbst 2022 vorlegen wollen. Der beigefügte Leitfaden mag dabei helfen, die Rückmeldungen zu strukturieren. Gerne kann der Leitfaden durch andere Formen der Rückmeldungen ergänzt oder auch ersetzt werden.

Rückmeldebögen für Lehrkräfte und andere Pädagogen
Die beiden Rückmeldebögen sind in einer docx-Datei für Antworten in beliebiger Länge.

3.4 Rückmeldungen von Jugendlichen

Als Anregung für Rückmeldungen von Jugendlichen haben wir einige Fragen zusammengestellt (ebenfalls in einer docx-Datei). Die ausgewählten Fragen haben sich – auf einer bisher schmaler Erfahrungsbasis – als ergiebig erweisen (siehe unter 3.5, Einsatz der Fragebögen). Auch hier sind zusätzliche oder andere Formen der Rückmeldung willkommen.

Fragen an Jugendliche (Anredeversion mit „Du“)
Fragen an Jugendliche (Anredeversion mit „Sie“)

3.5 Bericht über einen Probelauf in Rheinland-Pfalz

An dem Probelauf mit der Kurzfassung des Films nahmen in Rheinland-Pfalz im Herbst 2020, kurz vor dem Corona Lock-Down, sieben Lehrkräfte an verschiedenen Orten und in verschiedenen Schulformen mit insgesamt elf Lerngruppen teil. Die Rückmeldungen zur Verwendbarkeit des Films und des Begleitmaterials waren ganz überwiegend positiv. Die vorgebrachten Wünsche nach Ergänzungen oder Veränderungen einzelner Begleitmaterialien haben wir inzwischen eingearbeitet. Die Erfahrungen aus Rheinland-Pfalz liegen in einem Bericht von Respekt für Griechenland vor. Er enthält erste Anregungen für Lehrkräfte und andere Pädagogen, die den Film in ihren Lerngruppen zeigen wollen.

Erfahrungsbericht über einen Probelauf in Rheinland-Pfalz (7 Seiten)


3.6 Fallbeispiel aus Rheinland-Pfalz.

Ein besonders anregendes Fallbeispiel ist die Arbeit mit dem Film von Lars Limbach aus der Hermann-Gmeiner-Realschule plus in Daaden (Westerwald).

Beispiel zur Arbeit mit dem Film aus Rheinland-Pfalz 
Dieses Beispiel in englischer Fassung

3.7 Navigationshilfe zum Film und Transkription der deutschen Untertitel

Mehrere Schülerinnen und Schüler hatten Probleme bei der Zuordnung von Aussagen zu Personen. Sie konnten deren Beziehungen zu anderen Personen im Film und auf den Tonbändern an manchen Stellen nicht erfassen. Rasche Filmschnitte, ein schneller Wechsel zwischen Tonaufnahmen mit Zeitzeugen und Mitteilungen von Hinterbliebenen erschwerte es ihnen zu durchschauen, wer die Person ist, die gerade spricht.

Es empfiehlt sich, diese Besonderheit des Films vorab in der Lerngruppe zu thematisieren. Wobei es im Sinne des Regisseurs wäre zu erläutern, dass die vielen Stimmen im Film gleichsam einen Chor der Trauernden ergeben. Entscheidend ist die Gesamtschau der Dorfbewohner auf das Ereignis und nicht wer, was, wann zur Erinnerung an das Massaker und seine Folgen bis heute beiträgt. Dennoch ist der Wunsch von Jugendlicher, das Personengeflecht zu durchdringen, nachvollziehbar.

Ein detailgenaues Verständnis wird inzwischen wesentlich erleichtert durch die Untergliederung des Films mit Zeitangaben, die „Navigationshilfe“, sowie durch die vollständige „Transkription“ der deutschen Untertitel. Beide Übersichten, die durch Links miteinander verbunden sind, wurden mit Unterstützung der Lehrer, Lars Limbach und Simon Imhäuser, von ausgewählten Schülerinnen und Schülern der von ihnen geleiteten AG-Friedenserziehung-Geschichte, sowie den Klassen 10A und 10B (Hermann-Gmeiner-Realschule plus) aus Daaden entwickelt. Die Übersichten erlauben es, Ausschnitte des Films wiederholt gezielt anzuschauen, Zusammenhänge zu besprechen und dabei Verständnisschwierigkeiten zu klären. Sie ermöglichen es zudem, gegebenenfalls nur Teile des Films im Rahmen einer Unterrichtssequenz zu zeigen. Ebenfalls erleichtern es die Übersichten den Schülerinnen und Schülern auch von zuhause aus die Bearbeitung des Themas zu vertiefen (hierzu einige Stichworte: Referate, Hausarbeiten, Lockdown, Wechselunterricht, etc.)

Link zur Seite der Hermann-Gmeiner Realschule, auf der die Navigationshilfe zum Film „Der Balkon“ erläutert wird

Direkter Link zur Navigationshilfe und zur Transkription (Download)

3.8 Sie kamen nicht als Touristen, Film von Ulli Jossner (7 Min.)

Der kurze Film möchte speziell jungen Menschen Einblicke in den deutschen Besatzungsterror im Zweiten Weltkrieg in Griechenland geben. Er bringt Ausschnitte zum Massaker in Lyngiades und erweitert den Radius durch Archivbilder zur Zerstörung der Infrastruktur, zur Hungersnot in Athen sowie zu anderen Verbrechen an der Zivilbevölkerung. Das Besondere in der Darstellung ist, dass Ulli Jossner drei Schülerinnen aus Rheinland-Pfalz nach ihren Reaktionen auf den Film Der Balkon befragt hat. Ihre Stellungnahmen durchziehen den Film und stellen eine Bezug zur Gegenwart her.

https://youtu.be/RUvuUvMIdjg

3.9 Gedenkarbeit in Verantwortung und Respekt

Am Beispiel Griechenland unter Nationalsozialistischer Herrschaft
Didaktischer Leitfaden zur Verwendung im Unterricht

Der Leitfaden regt zur Gedenkarbeit als Querschnittsthema in verschiedenen Fächern an. Er stellt grundlegende Fragen und gibt Orientierungen für jede Gedenkarbeit besonders in Bezug auf auf den Nationalsozialismus. Ein zweiter Teil konkretisiert die Gedenkarbeit am Beispiel Griechenlands. Einbezogen sind das deutsch-griechische Verhältnis in der Nachkriegszeit bis heute sowie die Auseinandersetzung mit Kriegsschuld und Verantwortung. Ausgewähltes Material und weiterführende Literatur sind angefügt und größtenteils über Links erreichbar.

Der Leitfaden wurde – ausgehend von der Beschäftigung mit dem Dokumentarfilm „Der Balkon“ – von Frau Dr. Doris Lax (BBS 1 Technik Kaiserslautern) und der Referentin in Rheinland-Pfalz für internationale Zusmmenarbeit / Beauftragte für EU-Programme im Schulbereich, Frau Bettina Münch-Rosenthal, entwickelt.

Der didaktische Leitfaden ist erhältlich über die Mailanschrift: Frau Bettina Münch-Rosenthal (ADD) .

3.10 Memories of Occupation in Greece / Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland

Abschließend ein Hinweis auf ein gemeinsames Projekt der Freien Universität Berlin und der Nationalen und Kapodistrias Universität Athen. Es besteht aus einem Online-Zeitzeugenarchiv sowie aus Unterrichtsvorschlägen und Informationsmaterialien für Schulen in Deutschland und in Griechenland. Einloggen erforderlich.

www.occupation-memories.org