Neuer Projektbericht „Freiwillige für WELCommon in Athen“

Hostel WELCommon als Flüchtlingsunterkunft

Seit Herbst 2016 entsendet Respekt für Griechenland Freiwillige nach Athen. Sie haben mitgeholfen, eine ehemalige Klinik im Zentrum von Athen in ein wegweisendes und viel beachteten Wohnprojekt für Geflüchtete, das Model Hostel WELCommon, umzugestalten. Dort fanden vor allem Frauen, Männer und Kinder mit Gesundheitsproblemen und psychischen Belastungen durch Krieg und Flucht, sogenannte „Härtefälle“, eine sie stärkende, lebendige und zugleich fürsorgliche Bleibe. Einen Eindruck davon vermittelt eine Präsentation von August 2017. WELCOMMON an innovative project

Seit März 2018 steht ein verändertes Nutzungskonzept an. Freiwillige helfen mit, es zu realisieren. Sehr plötzlich und nicht nachvollziehbar hatte UNHCR in Übereinstimmung mit der Stadt Athen die finanzielle Förderung eingestellt. Ab sofort werden keine Gemeinschaftsunterkünfte mehr gefördert, sondern nur noch Unterbringungen in angemieteten Wohnungen. Damit wird ein an sich begrüßenswertes „housing-programm“ verabsolutiert. Alle, auch die hilfsbedürftigen Bewohner, mussten inzwischen – gegen ihren erklärten Willen und Protest – das von ihnen geschätzte Model Hostel WELCommon verlassen.
Ende des Wohnprojekts

Verändertes Nutzungskonzept von WELCommon

WELCommon stand vor dem Aus. Aber dessen Initiator und Leiter, Nikos Chrysogelos, ein früheres Mitglied des Europaparlaments und Vorsitzender der Sozialen Kooperative Wind of Renewal, sowie andere aus seinem Team geben nicht auf – obwohl eine Förderung durch eines der bestehenden Programme der Flüchtlingshilfe nicht in Sicht ist. Das Folgeprojekt muss sich also selbst tragen. Zu diesem Zweck werden einige der sieben Etagen (insgesamt 3200 qm Wohnfläche) der früheren Flüchtlingsunterkunft in ein Hostel im Sinne eines Gästehauses für Touristen umgewandelt. Bereits im Mai ist die Eröffnung dieser touristischen Teilnutzung.

Auf den anderen Etagen entsteht ein Kommunales Zentrum mit Projekträumen und Werkstätten für Geflüchtete, Migranten und Einheimische. Es soll sich aus den Einnahmen der touristischen Teilnutzung finanzieren. Die bisherige pädagogische, kulturelle und soziale Arbeit mit und für Geflüchtete wird im „Community Center WELCommon“ in modifizierter Form weitergeführt. Die Zielsetzungen „Öffnung in den Stadtteil“ und „job-integration“ werden verstärkt umgesetzt. Schwerpunktmäßig werden Anlernprojekte in verschiedenen Tätigkeitsfeldern für arbeitslose Jugendliche und Erwachsene entwickelt. Erwerbstätigkeit und Weiterqualifizierung werden vorbereitet. An entsprechenden Angeboten besteht in Griechenland ein großer Mangel. Wobei sich die Angebote nicht nur an Geflüchtete, sondern auch an Migranten und Griechen richten.

Das erste Kurzzeitprojekt beginnt im Mai: Acht Geflüchtete, ehemalige Bewohner des Hauses, und vier Griechen werden im Community Center WELCommon in Anlehnung an eine duale Ausbildung unter professioneller Anleitung theoretisch und praktisch „on the job“ dafür qualifiziert, im Hotelgewerbe zu arbeiten. Sie beginnen als Teilzeitangestellte im Hostel/ Hotel Welcommon. Job-Integration

Einbeziehen von Freiwilligen

Im „Community Center WELCommon“ werden Freiwillige dringend gebraucht. Ihre Betreuung und Anleitung sind durch die hervorragende Pädagogin, Lizeta, und durch die engagierte Sozialarbeiterin, Vaso, gewährleistet. Beide gehörten bereits in der Flüchtlingsunterkunft dem Mitarbeiterteam an, das auf Grund fehlender Mittel inzwischen stark verkleinert werden musste. Dankenswerterweise werden ihre Stellen vermittelt über Respekt für Griechenland ein Jahr lang von der Heidehof-Stiftung und von der Theodor-Springmann Stiftung bezahlt. Das erzeugt Sicherheit und erhöht die Stabilität in der Phase der Umgestaltung von WELCommon.

Lizeta bezieht Freiwillige in außerschulische Kurse und Projekte mit geflüchteten und einheimische Kinder ein (Spielen; Sprachkurse; Nachhilfe; Musik und Theater; kreatives Gestalten; Ausflüge etc) sowie in Lern- und Freizeitangebote für Jugendliche im schulpflichtigen Alter, die keine Schule besuchen. Zugleich ermutigt sie Freiwillige, eigene Projekte zu entwickeln. Die Angebote werden von ehemaligen Bewohnern des Hostels WELCommon nachgefragt, aber auch von anderen Kindern und Jugendlichen aus der Nachbarschaft. Daneben ist Lizeta – unterstützt von Freiwilligen – beteiligt an der nachholenden Vermittlung von Grundkenntnissen an junge Erwachsene, die auf Grund von Krieg und Flucht wenig formale Bildung erwerben konnten, diese aber in Griechenland brauchen.

Vaso ist zuständig für diejenigen unter den Freiwilligen, die Sozialarbeit/ Sozialpädagogik studieren bzw. studiert haben oder sich für dieses Praxisfeld interessieren. Studien – oder Berufspraktika können unter ihrer Anleitung absolviert werden. Sie hält den Kontakt zu Hochschulen und anderen Ausbildungsstätten. Sie bezieht Freiwilligen in eine aufsuchende und stadtteilbezogene Sozialarbeit mit Geflüchteten und anderen gesellschaftlich Benachteiligen ein. Innerhalb und außerhalb des Community Centers bemüht sie sich um die Jobintegration ehemaliger Hausbewohner und arbeitet mit in der Vorbereitung von Geflüchteten und anderen Arbeitslosen auf eine Erwerbstätigkeit.

Interessenbekundung an einer Mitarbeit

Wer Interesse an einer ehrenamtlichen Mitarbeit im Community Center WELCommon in Athen hat, teile uns seine Zeitplanung mit. Wünschenswert ist eine Aufenthaltsdauer von mindestens vier Wochen. Wir bitten um Angaben zu Ausbildung, Alter, Sprachkenntnissen, beruflichen und sonstigen Qualifikationen sowie zum gesellschaftspolitischen Engagement und zu praktischen Erfahrungen, insbesondere im Bereich Migration oder Flüchtlingsarbeit. Telefon- oder Handynummer nicht vergessen. Ihre Bewerbung sollten Sie gleich auf Englisch an uns richten, da wir mit WELCommon auf Englisch kommunizieren und Ihre Unterlagen nach einer Vorprüfung zur endgültigen Entscheidung dorthin senden.

 Reise- und Lebenskosten

Den Freiwilligen steht in der Regel eine kostenfreie Unterkunft im Hostel WELCommon zur Verfügung. Bei Bedarf gibt Respekt für Griechenland e.V. einen Zuschuss von höchstens 200 Euro zu den Flugkosten sowie von höchstens 12 Euro/ pro Tag zu den Lebenshaltungskosten. Bei diesem Angebot ist zu bedenken, dass wir nur schwer die notwendigen Spenden für unsere Flüchtlingsarbeit in Griechenland einwerben können. Dennoch weisen wir niemanden ab, der oder die geeignet erscheint, nicht aber alle Aufwendungen selbst bezahlen kann.

Kontaktaufnahme über „initiative-rfg@posteo.de“ zum Projektleiter Herbert Nebel
Spendenkonto für die Flüchtlingshilfe in Griechenland
bei der GLS Bank
Kontoinhaber: Respekt für Griechenland e.V.
IBAN: DE15 4306 0967 1175 7746 02,  BIC: GENO DE M 1 GLS
Steuernummer: 27 / 676/ 52054. Spendenbescheinigungen werden bei Angabe von Name und Anschrift am Jahresende ungefragt ausgestellt.